Minister nennt Migrationswelle eine «Invasion»

In Griechenland läuft zurzeit eine Razzia gegen illegale Einwanderer. Die Behörden haben schon 1100 Menschen in ein Lager gesteckt. Der zuständige Minister rechtfertigt die Aktion mit drastischen Worten.

«Das Land geht unter»: Polizisten bewachen eine Gruppe von Migranten im Zentrum Athens. (5. August 2012)

«Das Land geht unter»: Polizisten bewachen eine Gruppe von Migranten im Zentrum Athens. (5. August 2012)

(Bild: Keystone)

Der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikolaos Dendias, hat die unkontrollierte Zuwanderung nach Griechenland mit einer Invasion verglichen. «Das Land geht unter. Wir sind mit einer Invasion konfrontiert», sagte der Konservative im griechischen Fernsehen. Die Sicherheitskräfte würden konsequent ihre seit dem Wochenende begonnene landesweite Aktion gegen die illegale Migration fortsetzen, sagte der Minister weiter. Griechenland geht seit Samstagmorgen mit massivem Polizeiaufgebot gegen illegale Einwanderer vor.

In der Hauptstadt Athen und im Nordosten des Landes kontrollierte die Polizei nach eigenen Angaben etwa 6000 mutmasslich illegal eingereiste Flüchtlinge. Diese wurden vorübergehend festgenommen.

In Lager gebracht

1595 hätten keine gültigen Papiere auf sich getragen, erklärte die Polizei am Montagabend. Diese sollen nun in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Medienberichten zufolge wurden die meisten der in Athen festgenommenen Migranten in Auffanglager im Nordosten des Landes gebracht.

An den Razzien am Wochenende waren etwa 4500 Polizisten beteiligt. Sie waren auch in Evros in Nordostgriechenland an der Grenze zur Türkei im Einsatz. Die Operation wurde Xenios Zeus genannt. So heisst der oberste griechische Gott in seiner Rolle als Beschützer von Gästen.

Dendias sagte dem Radiosender Skai, das Problem der illegalen Einwanderung sei «vielleicht grösser als das Finanzproblem», sagte der Minister. Die illegale Einwanderung sei eine «Bombe für das Fundament von Staat und Gesellschaft».

Rechtsextreme wieder salonfähig

Der im Juni ins Amt gekommene Regierungschef Antonis Samaras hatte im Wahlkampf versprochen, er werde «die Invasion der illegalen Einwanderer stoppen» und die «Städte zurückerobern». Bei den Parlamentswahlen in Griechenland im Mai und im Juni hatte die fremdenfeindliche und faschistische Partei «Goldene Morgenröte» (»Chryssi Avgi») einen Wähleranteil um die sieben Prozent erreicht. Griechenland war von 1967 bis 1974 von einer rechtsgerichteten Militärdiktatur regiert worden.

Das Land an der südöstlichen Aussengrenze der EU ist seit längerem Anlaufpunkt für Migranten vor allem aus Asien und Afrika. Die meisten kommen via die Türkei nach Griechenland. In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als eine Million Menschen dort Zuflucht gesucht. Allein 2010 waren es nach griechischen Angaben 128'000. Schätzungen zufolge leben in Griechenland derzeit mehr als 350'000 Einwanderer ohne gültige Papiere.

kpn/rub/sda

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