«In einer Sackgasse» – Mays Rede schickt Pfund auf ein Talfährtchen

Nach dem enttäuschenden Gipfel in Salzburg bezeichnet die britische Premierministern die Haltung der EU «inakzeptabel». Der Devisenmarkt hat prompt reagiert.

«Wir müssen jetzt von der EU hören, was die wahren Probleme sind und was ihre Alternative ist, damit wir mit ihnen diskutieren können»: Die britische Premierministerin Theresa May bei ihrer Fernsehansprache in London. (21. September 2018)

Die britische Premierministerin Theresa May sieht die Brexit-Verhandlungen «in einer Sackgasse». Die Absage der EU an den Plan der britischen Regierung zur Ausgestaltung der künftigen Handelsbeziehungen sei «inakzeptabel», sagte May am Freitag in einer Fernsehansprache in London.

Die andere Seite habe keine konkrete Begründung gegeben oder Gegenvorschläge gemacht. «Wir müssen jetzt von der EU hören, was die wahren Probleme sind und was ihre Alternative ist, damit wir mit ihnen diskutieren können», fügte May hinzu.

Am Donnerstag hatten die EU-Staats- und Regierungschefs nach einem zweitägigen EU-Gipfel in Salzburg die britischen Vorschläge zum Brexit abgelehnt, weil diese den gemeinsamen Binnenmarkt untergraben würden.

«Wir sind mit Grossbritannien nicht im Krieg»

May hatte für die künftigen Wirtschaftsbeziehungen vorgeschlagen, dass beide Seiten ein Freihandelsabkommen schliessen. Bei ihm soll es keine Zölle auf Waren geben – aus ihrer Sicht würde dies auch das Problem mit der künftigen Grenze zwischen Irland und Nordirland regeln. Ausgenommen wären aber Dienstleistungen. Dies lehnt die EU jedoch kategorisch ab, weil sie Wettbewerbsverzerrungen durch britische Anbieter fürchtet.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte nach dem Gipfel in Salzburg versucht, die Wogen zu glätten. «Wir sind mit Grossbritannien nicht im Krieg», sagte Juncker der österreichischen Zeitung «Die Presse» (Freitagsausgabe). Beide Seiten hätten sich in den Austrittsgesprächen angenähert.

Pfund auf Talfahrt

Die verschlechterten Aussichten für einen geordneten Austritt von Grossbritannien aus der EU haben den Devisenmarkt am Freitag dominiert. So geriet der Eurokurs zum US-Dollar unter Druck. Eine regelrechte Talfahrt erlitt das britische Pfund.

Am späten Nachmittag kostete ein Euro 1,1754 US-Dollar. Zuvor hatte der Euro noch mit 1,1803 Dollar zeitweise den höchsten Stand seit Mitte Juni erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,1759 (Donnerstag: 1,1769) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8504 (0,8497) Euro.

Das britische Pfund hat am Freitag gut ein Prozent nachgegeben – die Hälfte davon büsste die Währung währen und nach Mays Rede ein. (21. September 2018, Stand: 17.30 Uhr) Bild: FxStreet.com

Eine harsche Ansprache von May zum Brexit brachte das Pfund zu allen wichtigen Währungen unter Druck. Zum Dollar verlor das Pfund 1,4 Prozent und zum Euro 1,2 Prozent. Das Pfund fiel bis auf 1,1117 Euro. Am Morgen hatte es noch bei 1,1272 Euro notiert.

«Händler sehen dies als ein Zeichen, dass ein Brexit ohne ein Abkommen möglich und zunehmend wahrscheinlicher wird», sagte Craig Erlam, Analyst beim Devisenhandelshaus Oanda. May wolle offenbar Druck auf die harten Brexit-Befürworter in der eigenen Partei und auf die EU ausüben. Erlam hält diese Strategie jedoch nicht für Erfolg versprechend.

mch/afp

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