Frankreich steht weiterer Streik-Tag bevor

Die Gewerkschaften in Frankreich wollen so lange weiterstreiken, bis Präsident Macron die Rentenreform zurücknimmt.

Der Streik legt auch am Freitag weite Teile des öffentlichen Lebens lahm: Demonstranten in Paris. (5. Dezember 2019) Video: Tamedia

Gewerkschaften haben in Frankreich zu neuen grossen Streiks gegen die Rentenreform aufgerufen. Geplant ist eine grosse Demonstration in Paris am kommenden Dienstag vom Invalidendom zum Platz Denfert-Rochereau im Süden der französischen Hauptstadt.

Dies sagte Catherine Perret von der Gewerkschaft CGT am Freitag nach einen Koordinierungstreffen mehrerer Gewerkschaften. Der zweite Protest wäre eine Gelegenheit für noch mehr Arbeiter, sich der Bewegung anzuschliessen.

Zunächst wurde erwartet, dass der Streik im öffentlichen Dienst auch am Freitag weite Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen dürfte. Die Eisenbahner stimmten dafür, ihren Streik bis Freitag zu verlängern. Die Gewerkschaften des Pariser Bus- und U-Bahn-Betreibers RATP wollten sogar bis Montag ihre Arbeit niederlegen.

Der Zugang zum Bahnhof des Flughafens Charles de Gaulle war am Donnerstag gesperrt. (5. Dezember 2019) Foto: Benoit Tessier/Reuters

Die französische Zivilluftfahrtbehörde Direction Générale de l'Aviation Civile (DGAC) rief die Airlines auf, ihr Flugaufkommen am Freitag um ein Fünftel zu vermindern. Betroffen sind die internationalen Hauptstadt-Flughäfen Charles de Gaulle und Orly, der ausserhalb von Paris gelegene Flughafen Beauvais sowie Lyon, Marseille, Toulouse und Bordeaux.

Die Rentenreform ist das Vorzeigevorhaben von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Seine grösste Kontrahentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, forderte bereits ein Referendum zu dieser umstrittenen Reform. Am Donnerstag waren hunderttausende Menschen im ganzen Land auf die Strasse gegangen. Etliche Lehrer traten in den Ausstand. Auch in Teilen des öffentlichen Dienstes, in Spitälern und Justizstellen wurde die Arbeit niedergelegt. Bei einer Demonstration in Paris kam es am Rande zu Krawallen.

Polizisten lieferten sich mit Vandalen eine Strassenschlacht. (5. Dezember 2019) Foto: Kiran Ridley/Getty Images

Auch in Lyon und Marseille gingen viele Menschen auf die Strassen. Polizeiangaben zufolge nahmen landesweit rund 800'000 Menschen an den Protesten teil, davon 65'000 in Paris. Die Gewerkschaften gehen von einer höheren Teilnehmerzahl aus.

Macron will Frankreichs veraltetes Rentensystem vereinfachen, das mehr als 40 verschiedene Pensionsformen umfasst. Dabei variieren Renteneintrittsalter und Pensionsleistungen. So können beispielsweise Bahnangestellte wesentlich früher in Rente gehen als andere Beschäftigte.

Macron hält das System für unfair und zu teuer. Er fordert ein einheitliches, auf Rentenpunkte basierendes System, das für alle Franzosen gleichermassen gelten soll. Laut OECD-Daten steckt Frankreich rund 14 Prozent der Wirtschaftsleistung in das Rentensystem, in Deutschland sind es zehn Prozent.

chk/reuters

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