Die Schwaben leisten weiter Widerstand

In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg haben erneut zehntausende Menschen gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 demonstriert – trotz einer Mahnung von der deutschen Kanzlerin.

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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Kundgebung forderten am Samstag – wie schon bei früheren Demonstrationen – einen sofortigen Baustopp und neue Verhandlungen über das Projekt. Die Demonstration mit anschliessender Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz stand unter dem Motto «Baustopp sofort – dann Gespräche». Sie verlief nach Angaben der Polizei zunächst störungsfrei.

Die Veranstalter sprachen von rund 150'000 Teilnehmern; die Polizei ging dagegen von 63'000 aus. Der Protestzug mit anschliessender Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz stand unter dem Motto «Sofort Baustopp - dann Gespräche». Die Demonstration verlief laut der Polizei völlig friedlich.

Milliardenprojekt in der Kritik

Der Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof soll bis 2019 dauern und rund vier Milliarden Euro kosten. Zudem ist eine Anbindung des Flughafens an das Hochgeschwindigkeitsnetz über eine Neubaustrecke zwischen Ulm und Wendlingen vorgesehen. Die Gegner von «Stuttgart 21» kritisieren unter anderem, dass für den Bau Hunderte alte Bäume im Schlossgarten gefällt werden sollen. Zudem sei das Projekt viel zu teuer und berge hohe technische Risiken.

Ein deutlicher Appell von Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in der Debatte um die Proteste gegen das Bauprojekt vor einem immer stärkeren Auseinanderfallen von individuellen und übergeordneten Interessen gewarnt. «Wenn wir es nicht schaffen, lokale und gesamtwirtschaftliche Interessen zusammenzubringen, dann ist dieses Land nicht mehr veränderbar», sagte Merkel am Samstag beim Landestag der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern in Marlow.

Der Einzelne müsse bereit sein, so die Kanzlerin weiter, mit Blick auf die Gemeinschaft Nachteile in Kauf zu nehmen. «Wenn man nur an sich denkt und nicht an kommende Generationen, ist das ein Problem für unser Land», sagte sie. Deutschland habe für die Zukunft alle Chancen, «aber mit dem Sperren gegen jede Veränderung wird das nichts werden.»

raa/dapd

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