Die Russen auf Einkaufstour in Griechenland

Die staatliche Energieindustrie Griechenlands steht zum Verkauf, russische Investoren wittern ihre grosse Chance. Warum die EU skeptisch ist, obwohl sie die Privatisierung im beinahe bankrotten Land vorantreiben will.

Macht sich auf in den griechischen Ausverkauf: Russischer Energiekonzern Gazprom, hier der Hauptsitz in Moskau (Archivbild).

Macht sich auf in den griechischen Ausverkauf: Russischer Energiekonzern Gazprom, hier der Hauptsitz in Moskau (Archivbild).

(Bild: AFP)

Griechenlands Energieindustrie soll privatisiert werden: Die Regierung will ihre Anteile am griechischen Gaskonzern Depa, am Gasnetzbetreiber Desfa und am Erdölkonzern Hellenic Petroleum verkaufen. Bis Montag konnten die Gebote für die Aktienpakete abgegeben werden. Beworben haben sich laut der Nachrichtenagentur Reuters die beiden russischen Energieunternehmen Gasprom und Sintez.

Die Privatisierung der Energieindustrie soll neues Geld in die leeren Kassen der Regierung spülen und den griechischen Haushalt entschulden: Griechenland könnte mit dem Verkauf laut Reuters bis zu eine Milliarde Euro erlösen. Deshalb befürworten auch die EU und die Europäische Zentralbank (EZB) die Strategie. Dass sich nun vor allem russische Firmen für die Anteile an den griechischen Konzernen interessieren, werde in Brüssel aber nicht gern gesehen, berichtet das deutsche Blatt «Die Zeit».

Kampf um Erdöl- und Erdgasvorräte

Die EU sei nämlich besorgt, dass aus Griechenland «ein zweites Zypern» werden könnte: Dort engagiert sich Russland bereits jetzt im Bereich der Erdgasförderung. Zudem haben die grössten russischen Firmen ihre Sitze auf Zypern. Schon seit 20 Jahren investieren sie in zypriotische Immobilien und Tourismus. Russland könnte mit Anteilen an griechischen Energiekonzernen die Position in der Region weiter stärken und dadurch zum übermächtigen Player werden, schreibt die «Zeit». Rund ums Mittelmeer herum werden zudem grosse Gasvorkommen vermutet. Der Kampf um Erdöl- und Erdgasvorräte, zum Beispiel zwischen Russland und dem Konkurrenten Türkei, würde sich weiter verschärfen.

Die EU-Kommission fürchtet sich schon seit längerem vor der Übermacht der russischen Energiebetriebe in Europa: Im September hat sie ein Kartellverfahren gegen Gasprom eröffnet. Sie wirft dem Konzern vor, seine beherrschende Marktposition bei der Gasversorgung in Teilen der EU zu missbrauchen. In diesem Verfahren hätte die Kommission laut dem Bericht die Möglichkeit, den Kauf weiterer europäischer Energiebetriebe zu blockieren oder empfindliche Strafen zu verhängen.

Die Russen könnten dies aber umgehen, indem sie sich mit anderen europäischen Energiekonzernen zusammentun, um in Griechenland zu investieren: «Gegen gemeinsame Investitionen etwa von Italienern oder Russen könnte auch Brüssel nichts mehr einwenden.»

fko

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