Auch Briten sollen deutsche Regierung abgehört haben

Der Abhörskandal um den US-Geheimdienst NSA ist wohl noch grösser als bisher angenommen. Nicht nur Angela Merkel war im Visier.

Der Abhörskandal weitet sich aus: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. (1. Juli 2015)

Der Abhörskandal weitet sich aus: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. (1. Juli 2015)

(Bild: Keystone)

Der US-Geheimdienst NSA hat nach Informationen von Wikileaks nicht nur die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, sondern auch weite Teile der Bundesregierung ausgespäht. Dies geht aus Dokumenten hervor, die die Enthüllungsplattform veröffentlichte.

Die Dokumente wurden vorab der «Süddeutsche Zeitung» und den deutschen Sendern NDR und WDR zu Verfügung gestellt. Offenbar sei an einigen Abhöraktionen auch ein britischer Geheimdienst beteiligt gewesen. Aus den Unterlagen geht dem Vorabbericht der Zeitung zufolge hervor, dass sowohl der Berliner Telefonanschluss des Wirtschaftsministers als auch seine Fax-Nummer auf der NSA-Überwachungsliste stehen.

Seit den 90er-Jahren

Der Liste zufolge gehörten zu den Spionagezielen der National Security Agency (NSA) offenbar bereits seit den 90er Jahren nicht nur das Wirtschafts-, sondern auch das Finanz- sowie das Landwirtschaftsministerium. Demnach interessierte sich die NSA vor allem für die deutsche Währungs- und Handelspolitik.

Das ergebe sich aus der Analyse einer 69 Nummern umfassenden Liste mit Suchbegiffen. Bei den Wikileaks vorliegenden Selektoren handle es sich offenbar sowohl um in der Vergangenheit überwachte Anschlüsse als auch um aktuelle Anschlüsse.

Keine Stellungnahme

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte der Zeitung, ohne nähere Kenntnis des zugrundeliegenden Sachverhalts sei der Bundesregierung eine Bewertung derzeit nicht möglich.

In der vergangenen Woche hatte Wikileaks Unterlagen bereits über NSA-Lauschangriffe auf drei französische Staatspräsidenten veröffentlicht. Diese Dokumente stammten, wie auch die Deutschland betreffenden Unterlagen, offenkundig nicht von dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, sondern von einer anderen, bislang nicht identifizierten NSA-Quelle, heisst es in dem «SZ»-Bericht.

rar/sda

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