Am falschen Flughafen gewartet: Polizei verpasst Jihadisten

Peinlicher Lapsus bei der französischen Polizei: Sie wollte drei mutmassliche Jihad-Rückkehrer festnehmen – doch die Verdächtigen konnten unbehelligt einreisen.

Wurden schliesslich doch noch in Gewahrsam genommen: Die drei mutmasslichen Jihadisten werden im Auto abgeführt, nachdem sie sich gestellt hatten. (24. September 2014)

Wurden schliesslich doch noch in Gewahrsam genommen: Die drei mutmasslichen Jihadisten werden im Auto abgeführt, nachdem sie sich gestellt hatten. (24. September 2014)

(Bild: AFP)

Bei einer geplanten Festnahme von drei islamistischen Syrien-Rückkehrern ist den Sicherheitsbehörden in Frankreich ein schwerer Fehler unterlaufen: Die drei Männer konnten über die Türkei unbehelligt nach Frankreich einreisen, weil die Polizei am falschen Flughafen auf die Verdächtigen wartete, wie die französische Regierung einräumen musste. Das Innenministerium kündigte eine interne Untersuchung an.

Das Ministerium hatte am Dienstag bereits fälschlicherweise die Festnahme der drei Jihadisten gemeldet, die dem islamistischen Attentäter Mohamed Merah aus Toulouse nahestehen. Merah hatte im März 2012 in Südfrankreich sieben Menschen erschossen, bevor er von der Polizei getötet wurde. Die drei Männer seien am Pariser Flughafen Orly festgenommen worden, nachdem sie im August in der Türkei festgenommen worden waren, hatte das Ministerium zunächst verkündet.

Marseille statt Paris

Die drei Syrien-Rückkehrer waren in Istanbul aber in ein Flugzeug in das südfranzösische Marseille gesetzt worden. Der Pilot der Maschine nach Paris hatte sich geweigert, diese Passagiere wegen fehlender türkischer Ausreise-Papiere an Bord zu nehmen. Mit ihren Reisepässen kamen die drei Männer in Marseille dann durch die Sicherheitskontrollen, ohne aufzufallen und festgenommen zu werden. Zu den Verdächtigen, die Anfang des Jahres nach Syrien gereist waren, zählt der 29-jährige Ehemann von Mohamed Merahs Schwester Souad, die sich derzeit vermutlich in Algerien aufhält.

Die drei Syrien-Rückkehrer waren nach Angaben ihrer Anwälte selbst überrascht, dass sie bei ihrer Ankunft in Frankreich nicht festgenommen wurden. Sie liessen über einen ihrer Anwälte mitteilen, dass sie sich der Polizei in Le Caylar gestellt hätten, einem 500-Einwohner-Dorf im Süden Frankreichs. Der Gendarmerie-Posten sei am Vormittag zunächst geschlossen gewesen, als sie dort geklingelt hätten. «Eine Patrouille der Gendarmerie» habe sich dann auf den Weg gemacht, um die drei mutmasslichen Syrien-Kämpfer in Empfang zu nehmen.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve geriet durch die Panne stark unter Druck, die konservative Opposition hielt seinem Ministerium «Dilettantismus» vor. Cazeneuve räumte eine «Störung» bei der Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden ein, die die französischen Behörden erst nach der Landung der drei Syrien-Rückkehrer in Marseille über den geänderten Flug informiert hatten. Er kündigte eine Reise in die Türkei sowie eine interne Untersuchung an.

Fehlende Zusammenarbeit

Premierminister Manuel Valls kritisierte vor dem Parlament, dass der Fall «nicht so abgelaufen ist, wie es hätte sein sollen». Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach von einem «grossen Wirrwarr». Im Sender France Info machte er in erster Linie die fehlende Zusammenarbeit der türkischen Behörden verantwortlich. Allerdings räumte er auch ein, dass das System zur Kontrolle der Reisepässe in Marseille versagt habe.

In Frankreich sind die Sicherheitsbehörden derzeit zu höchster Vorsicht aufgerufen, weil die Jihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) wegen der französischen Luftangriffe auf ihre Stellungen im Irak zum Mord an Franzosen aufgerufen hat.

rar/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt