«Alle aufstehen, alle aufstehen!»

Rechtsextremisten erhielten bei den Wahlen in Griechenland knapp sieben Prozent der Stimmen. Die Militanz der Radikalen bekamen jetzt auch griechische Journalisten zu spüren.

Journalisten werden angehalten aufzustehen, bevor der Parteipräsident auftritt: Video von der Pressekonferenz der Partei Goldene Morgenröte. (Video: Youtube.com)

Vor der Wahl in Griechenland befürchteten einige Beobachter einen Wahltriumph rechtsextremer Parteien. Bis zu 20 Prozent Wähleranteil wurde den Neofaschisten vorausgesagt. So weit kam es nicht. Bemerkenswert ist aber das Wahlresultat der Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte). Sie erreichte knapp 7 Prozent, für die Rechtsextremen ein Grosserfolg. Nach der Wahl bekam eine Gruppe von Journalisten eine Ahnung davon, wie ein von der Goldenen Morgenröte regiertes Griechenland aussehen würde. Ein Youtube-Video (siehe oben) zeigt es.

Das Video stammt von einer Pressekonferenz, welche der Chrysi-Avgi-Chef Nikolaos Michaloliakos nach den Wahlen einberief. Noch bevor der Parteipräsident den Konferenzraum betritt, weisen glatzköpfige Ordner die Medienleute an, sich von ihren Sitzen zu erheben. «Alle aufstehen, alle aufstehen! Zeigt Respekt!», ruft der Mann links im Bild. Ein kleiner Tumult entsteht. Der Ordner befiehlt einer protestierenden Journalistin, den Raum zu verlassen. «Das ist eine Frage des Respekts, gehen Sie jetzt!» In gewohnt scharfem Ton hielt danach der Parteichef seine Rede, in der er die anderen Parteien angriff und die illegalen Einwanderer für die Misere in Griechenland verantwortlich machte.

Eindrücklicher Bericht einer Journalistin

Die Militanz, mit der Chrysi Avgi in der Öffentlichkeit auftritt, ist kein neues Phänomen. Bereits vor der Wahl beschrieb die griechische Journalistin Xenia Kounalaki ihre Erfahrungen mit den Rechtsextremen. Kounalaki schreibt von Bürgermilizen, die in den Migrantenquartieren von Athen für Ordnung sorgen. Ursprung dieser Gruppen sei eine Chrysi-Avgi-Initiative. Weiter berichtet die Journalistin von Attentaten gegen Linke und Ausländer und wie sie nach einem kritischen Artikel sogar selbst zur Zielscheibe der Rechtsradikalen wurde.

Kounalaki zeichnet aufgrund ihrer Erfahrungen ein düsteres Bild von der Zukunft Griechenlands. Die hohe Arbeitslosigkeit, der Hang zur Gewalt und die Suche nach einem Sündenbock erinnerten viele Analysten an die Situation in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg, schreibt die Journalistin. Und schliesst mit dem Appell, nicht wegzuschauen: «Wir können hinterher nicht sagen, wir hätten von nichts gewusst.»

mpl

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