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409 Särge und eine zweite Anklage wegen Völkermords

In Srebrenica haben Tausende an den Völkermord vor 18 Jahren erinnert. Zahlreiche Opfer wurden neu beigesetzt. Der Hauptangeklagte Radovan Karadzic hat gleichzeitig vor Gericht eine Niederlage erlitten.

Noch immer sind nicht alle Opfer von Srebrenica ordentlich bestattet: Männer tragen Särge zur Gedenkstätte. (11. Juli 2013)
Noch immer sind nicht alle Opfer von Srebrenica ordentlich bestattet: Männer tragen Särge zur Gedenkstätte. (11. Juli 2013)
Dado Ruvic, Reuters

Tausende haben in Bosnien der Opfer des Völkermordes in Srebrenica gedacht. Genau 18 Jahre nach dem Völkermord wurde die Anklage gegen einen mutmasslichen Hauptschuldigen des Massakers, Radovan Karadzic, zudem deutlich erweitert.

Der ehemalige Serbenführer muss sich nun doch für weitere Völkermord-Anklagen verantworten. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien hob am Donnerstag in Den Haag einen Teilfreispruch des Serbenführers auf. Der 68-Jährige muss sich nun sowohl für das Massaker in Srebrenica 1995 als auch für Völkermord in ehemaligen Gefangenenlagern im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 verantworten.

«Völkermord-Absichten»

In erster Instanz hatten die Richter mehrere Anklagepunkte im vergangenen Jahr aus Mangel an Beweisen gestrichen. Nur die Anklage wegen Völkermordes in der damaligen UNO-Schutzzone Srebrenica 1995 blieb bestehen. Die Anklage hatte daraufhin Berufung eingelegt und bekam nun Recht. «Das vorliegende Beweismaterial kann zeigen, dass Karadzic Völkermord-Absichten hatte», erklärte der Vorsitzende Richter der Berufungskammer, Theodor Meron.

Der ehemalige Psychiater ist nun wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Punkten angeklagt. Die Anklage will beweisen, dass auch bosnische Muslime und Kroaten in den Lagern Omarska, Keraterm und Trnopolje Opfer von Völkermord wurden. Karadzic war 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad festgenommen worden.

Tausende trauern in Srebrenica

Das Urteil der Berufungsrichter fiel am selben Tag, als Tausende in Bosnien an die Tragödie von Srebrenica erinnerten. In der ostbosnischen Stadt gedachten Familienangehörige, Politiker sowie ausländische Diplomaten der Opfer des Massakers vor 18 Jahren.

In der Gedenkstätte Potocari vor den Toren der Stadt wurden 409 Opfer neu beigesetzt. Sie waren im vergangenen Jahr aus den mehr als 70 Massengräbern exhumiert und inzwischen identifiziert worden.

Unter den Opfern waren 44 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren sowie ein nur wenige Stunden altes Baby. Der Bürgermeister von Srebrenica, Camil Durakovic, rief die Trauernden auf, trotz des unermesslichen Leids nicht die Zukunft zu vergessen.

«Helfen Sie, dass Srebrenica ein Ort der Prosperität, des Friedens und der Toleranz wird, damit es ein Beispiel dafür wird, dass sich das niemals mehr wiederholt», sagte Durakovic.

Schätzungsweise 8000 Menschen ermordet

In der Gedenkstätte wurden bislang 5137 Opfer des Massakers beerdigt. Am 11. Juli 1995 hatten serbische Einheiten unter Führung des damaligen Generals Ratko Mladic die Schutzzone überrannt. Die niederländischen UNO-Blauhelmsoldaten waren dabei machtlos.

Schätzungsweise 8000 muslimische Jungen und Männer wurden damals ermordet. Es war der erste Völkermord in Europa nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Auch Mladic wird zur Zeit der Prozess in Den Haag gemacht.

SDA/mw

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