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17 Tote bei Anschlag kurz vor Olympia

Ein Blitz, ein lauter Knall, dann Chaos: Direkt am Hauptbahnhof von Wolgograd in Südrussland reisst ein Attentäter mehr als ein Dutzend Menschen in den Tod. Unklarheit herrscht zurzeit über die Täterschaft.

Wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi wird Russland von einem Terroranschlag erschüttert: Bei einem Selbstmordattentat im Bahnhof von Wolgograd wurden mindestens 17 Menschen getötet, wie die russischen Behörden mitteilten. Etwa 50 weitere Personen wurden verletzt. Offenbar sprengte sich der Täter oder die Täterin an den Metalldetektoren nahe des Eingangs der Station in die Luft. Die Bombe soll mit Nägeln und Schrauben gefüllt gewesen sein.

Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand. Das Nationale Anti-Terror-Komitee erklärte jedoch, es handele sich um eine Selbstmordattentäterin. Ob der Selbstmordanschlag von einem Mann oder einer Frau ausgeführt wurde, ist allerdings unklar. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Ermittler, wonach Aufnahmen von Überwachungskameras darauf hindeuteten, dass der Attentäter männlich gewesen sei.

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte die Tat scharf. Er forderte die Ermittler auf, die Hintermänner der Tat so schnell wie möglich zu enttarnen und zu verhaften, wie ein Kremlsprecher am Abend mitteilte. In Russlands Süden gibt es immer wieder Angriffe islamistischer Rebellen, die sich nach den beiden Tschetschenien-Kriegen in der Region ausgebreitet haben.

Alle Fenster zerbrochen: Der Bahnhof in Wolgograd.

Die Stadt Wolgograd, das frühere Stalingrad, liegt in der Nähe der unruhigen Nordkaukasusregion. Knapp 700 Kilometer südwestlich von Wolgograd entfernt liegt der Badeort Sotschi, wo Anfang Februar die Olympischen Winterspiele beginnen. Die milliardenschwere Sportveranstaltung gilt als wichtiges Prestigeprojekt für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Regierung hat Zehntausende Sicherheitskräfte dorthin beordert und verspricht die «sichersten Spiele aller Zeiten». Nach einem Attentat in Wolgograd im Oktober waren Zweifel an der ausreichenden Sicherheit rund um das Grossereignis laut geworden.

«Tages-Anzeiger»-Auslandsredaktorin und Russlandkennerin Zita Affentranger hält es jedoch für verfehlt, nun einen Zusammenhang zwischen Sotschi und Wolgograd zu ziehen: «Die Terroristen sind in Russland meist weniger gut organisiert als von der Öffentlichkeit wahrgenommen und agieren dezentral.» Darum denke sie auch nicht, dass die Aufforderung zu Anschlägen des tschetschenischen Islamistenführers Doku Umarow einen grossen Einfluss auf die Sicherheit der Spiele haben werde. Umarow reif im Juli dazu auf, die Spiele in Sotschi mit Anschlägen zu stoppen, denn diese seien ein «teuflischer Tanz auf den Knochen unserer Vorfahren».

Immer wieder Anschläge

Affentranger schränkt aber ein, dass die russische Polizei die Situation mit radikalislamischen Extremisten momentan nicht im Griff habe. Das zeige auch das Attentat auf einen Bus im Oktober. Damals waren bei einem Selbstmordanschlag sechs Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Als Attentäterin machten die Behörden eine sogenannte Schwarze Witwe aus, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus. Ihr mittlerweile getötete Ehemann hatte damals die Bombe eigenhändig für seine Frau gebaut.

Ein weiteres Attentat ereignete sich vorgestern in der kaukasischen Stadt Pjatigorsk – drei Menschen starben in der 400 Kilometer von Sotschi entfernten Stadt als dort ein mit Sprengstoff präpariertes Auto in die Luft flog. Pjatigorsk ist die Zentrale der Regierungsverwaltung, welche die Nordkaukasus-Region stabilisieren soll.

Körper als Schutzschild

Aus Wolgograd sendete das russische Staatsfernsehen Bilder einer Überwachungskamera, die die Explosion an einer Sicherheitssperre am Eingang des Bahnhofs zeigten. «Wir hörten einen lauten Knall von hinten, sahen einen hellen Blitz und fielen auf den Boden», sagte Augenzeugin Swetlana Demtschenko der Agentur Itar-Tass. Vor dem Bahnhof standen zahlreiche Rettungswagen, auf dem Gehweg wurden mehrere regungslose Körper abgelegt. Unter den Toten ist nach Angaben des Innenministeriums auch ein Polizist, drei Beamte wurden verletzt.

Eine Mutter hat ihre neunjährige Tochter gerettet, indem sie sich auf das Mädchen warf und sie mit ihrem Körper beschützte. Das Mädchen wurde mit schweren Verletzungen in den Spital gebracht.

Erste Videobilder: Zahlreiche Krankenwagen rasten zu dem Bahnhof in Wolgograd.

(AP/AFP/sda)

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