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Spion in Knastklamotten und ohne Geld

Der von Moskau im Rahmen des Agentenaustausches abgeschobene Igor Sutjagin ist ohne Geld und Visa in einem Hotel ausserhalb Londons gestrandet. Noch weiss er nicht, wie es mit ihm weitergeht.

Ungewisse Zukunft: Igor Sutjagin bei seinem Gerichtsprozess 2004.
Ungewisse Zukunft: Igor Sutjagin bei seinem Gerichtsprozess 2004.
Keystone

Am Freitag kam Igor Sutjagin, der 2004 als CIA-Spion verurteilte Russe, im Rahmen des Agentenaustauschs zwischen Russland und den USA frei. Der Waffenexperte entstieg in London der amerikanischen Maschine, die ihn und drei weitere von Moskau begnadigte Spione in Wien abgeholt hatte. Die britischen Medien haben sich seither an seine Fersen geheftet.

«Er sagt, er sei in einem kleinen Dorf ausserhalb Londons. Er weiss aber nicht genau, wo. Die Behörden haben ihm nichts weiter gesagt», berichtet sein Bruder Dmitry Sutjagin dem britischen «Telegraph». Der 45-jährige Igor Sutjagin hatte sich am Wochenende kurz bei seiner Familie gemeldet. Er habe kein Geld, kein Visa und trage immer noch die Gefängniskleidung, klagte er in einem Telefongespräch.

Rückkehr nach Russland?

Die britischen Behörden haben Sutjagin mit einem weiteren begnadigten Spion, dem 59-jährigen Sergei Skripal, in einem Hotel untergebracht. Verlassen dürfe er das Hotel nicht. Einzig eine Telefonkarte habe er von den britischen Behörden bekommen, sagt Bruder Dmitry weiter. Wie der «Guardian» weiter berichtet, seien Sutjagin und Skripal vom britischen Geheimdienst eingehend befragt worden.

Sutjagin wisse momentan nicht, wie es weitergehe. Igor habe sich noch nicht entschieden, ob er in Grossbritannien bleiben wolle, sagte seine Mutter auf Anfrage des «Guardian». «Alles ist in der Schwebe. Wir haben für ihn ein paar Kontakte zu Wissenschaftlern hergestellt. Er könnte aber auch nach Russland zurückkehren.» Da alle entlassenen Spione vom russischen Präsidenten kurz vor der Überstellung begnadigt wurde, besteht für Sutjagin die Möglichkeit, dass er schon bald nach Russland zu seiner Familie zurückkehren könnte.

Höchststrafe für Sutjagin

Igor Sutjagin wurde 2004 zu 15 Jahren im Straflager in der Region Archangelsk verurteilt. Es war die längste Haftstrafe wegen Spionage nach dem Ende der Sowjet-Ära. Ihm wurde von Moskau vorgeworfen, geheime Informationen über Atom-U-Boote oder militärische Frühwarnsysteme an eine britische Firma weitergegeben zu haben.

Mehr als zehn Jahre lang hatte sich der Vater zweier Kinder gegen die Vorwürfe der Agententätigkeit zur Wehr gesetzt. Die von ihm verwendeten Informationen seien frei zugänglich gewesen und keineswegs ein Staatsgeheimnis, gab der aus einer Familie von Wissenschaftlern stammende Forscher an.

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