Zum Hauptinhalt springen

Die Katastrophe als Chance für die angeschlagene Wirtschaft

Das Erdbeben in Japan beeinträchtigt zurzeit auch die Wirtschaft. Auf lange Sicht könne eine solche Katastrophe die Ökonomie eines Landes sogar ankurbeln, meint ein prominenter Wirtschaftsberater.

Die Märkte könnten sich schnell wieder erholen: Börsianer in Japan.
Die Märkte könnten sich schnell wieder erholen: Börsianer in Japan.
Keystone

Zumindest kurzfristig wird das Erdbeben vom Freitag die angeschlagene japanische Wirtschaft beeinträchtigen. Wie stark, das ist noch weitgehend unklar. In Japan tätige Konzerne berichten, die Auswirkungen des Bebens und des nachfolgenden Tsunamis seien bislang schwer abzuschätzen. Aus den US-Unternehmen DuPont und Procter and Gamble hiess es, der Ausfall der Telefonverbindung mache es schwierig, Näheres über die Schäden in ihren japanischen Anlagen zu erfahren.

Die Belastung für Japan als drittgrösste Wirtschaft der Welt hätte allerdings noch viel grösser sein können, wenn von dem verheerenden Erdstoss der Stärke 8,9 nicht der wenig entwickelte Nordosten betroffen gewesen wäre. «Wenn etwas in dem Ausmass Tokio getroffen hätte, wären die Auswirkungen unvorstellbar», sagte Michael Smitka, ein auf Japan spezialisierter Wirtschaftswissenschaftler an der Washington and Lee University. «Das Erdbeben wird die Wirtschaft um einige Monate zurückwerfen, da die Lieferketten unterbrochen wurden», sagte Smitka.

Mitarbeiter von Honda gestorben

Japanische Autobauer hielten ihre Förderbänder an. Beim Hersteller Honda starb ein Mitarbeiter, nachdem eine Wand über ihm eingestürzt war. Dreissig weitere wurden verletzt, als in einer Fabrik der Honda Motors Company in der nordöstlichen Präfektur Tochigi Wände und Teile von Decken herunterfielen.

Auch der weltgrösste Autohersteller Toyota schloss zwei Werke. Nissan meldete sogar den Stillstand in fünf Fabriken im nordöstlichen Japan und in der Region Yokohama bei Tokio. Zwei Arbeiter seien leicht verletzt worden.

Flugverkehr unterbrochen

Auch der Flugverkehr wurde unterbrochen. Dabei sind es nur noch wenige Wochen bis zur touristischen Hauptsaison. «Im späten März und frühen April blühen die Kirschbäume», sagte Alastair Donnelly, Mitbegründer von InsideJapanTours, einem britischen Reiseveranstalter. «Ich empfehle den Menschen, trotzdem ihre Reise anzutreten. Japan braucht die Unterstützung durch den Tourismus.»

Nach dem Tsunami im Jahr 2004 war der Tourismus an den Stränden Südostasiens zum Erliegen gekommen. Das hatte die Lebensgrundlage der Menschen zerstört. «Man will doch nicht die Menschen ein zweites Mal leiden lassen», sagte Donnelly.

Hoffnung auf Wiederaufbauprogramme

«Auf lange Sicht kann die Katastrophe Japans Wirtschaft jedoch sogar ankurbeln», sagt der frühere Wirtschaftsberater des Weissen Hauses, Lawrence Summers, in einem Interview mit der US-Fernsehstation CNBC einschätzte. Wiederaufbauprogramme könnten wieder Menschen in Arbeit bringen.

Die Erdbeben, die 1989 und 1995 Kalifornien erschütterten, hätten der lokalen Wirtschaft sehr geholfen, erinnerte der Ökonom bei JPMorgan Chase, David Hensley. «Naturkatastrophen können die Wirtschaftskraft fördern», sagte Hensley.

Für die Versicherungswirtschaft allerdings wird das Erdbeben das wohl kostspieligste in der Geschichte Japans. Der Analyst der Investmentbank Jefferies, James Shuck, schätzte die Verluste der Versicherungen durch das Erdbeben auf rund zehn Milliarden Dollar. Dennoch sei die Belastung vergleichsweise gering, weil das Beben ausserhalb der Metropolen stattfand.

dapd/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch