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Warum Experten den Nutzen einer Flugverbotszone anzweifeln

Ein Flugverbot über Libyen hätte kaum Auswirkungen auf die Angriffe von Ghadhafis Soldaten. Kampfhubschrauber können das Verbot laut Experten leicht unterlaufen - und weiter auf die Rebellen schiessen.

US-Dominanz im Roten Meer: Das Kampfschiff USS Leyte Gulf aus der Sicht des Flugzeugträgers USS Enterprise. (3. März)
US-Dominanz im Roten Meer: Das Kampfschiff USS Leyte Gulf aus der Sicht des Flugzeugträgers USS Enterprise. (3. März)
Reuters

Laut Militärluftfahrtexperte Douglas Barrie verfügt Ghadhafi über rund 300 Kampfflugzeuge. Einsatzbereit seien aber wahrscheinlich viel weniger. Der Staatschef scheine sich zunehmend auf rund 35 Kampfhubschrauber zu verlassen. Diese seien deutlich kleiner und langsamer als Jets, so dass sie den herkömmlichen Methoden zur Überwachung einer Flugverbotszone entgehen könnten.

Für manche Radargeräte etwa sei es schwierig, zwischen einem Hubschrauber und einem schnell fahrenden Auto oder Lastwagen zu unterscheiden, hiess es beim Internationalen Institut für Strategische Studien in London. Vor Sperrung des Luftraums die libysche Flugabwehr auszuschalten, wie es US-Verteidigungsminister Robert Gates für geraten hält, wäre nach Ansicht Barries nicht unbedingt erforderlich. «Es ist kein risikoloser Vorschlag, doch die Ausrüstung der Libyer aus Sowjet-Zeiten ist nicht auf neuestem Stand.»

Mängel auf beiden Seiten

Den Aufständischen fehlten zwar eine Luftwaffe und logistische Unterstützung, doch dürften sie sich zunehmend besser organisieren, vermuteten die IISS-Experten. «Je länger das dauert, desto grösser die Chancen, dass die Rebellen ihre Kampfkraft steigern, und desto grösser die Chance, dass Sanktionen greifen», meint der ehemalige britische Heeresoffizier Ben Barry.

Ein grosser Teil der noch unter Gaddafis Befehl stehenden regulären Streitkräfte sei mangelhaft ausgerüstet, besitze keine klare Befehlsstruktur und leide wahrscheinlich unter nachlassender Kampfmoral, vermutet er. In Tripolis stünden vermutlich besser ausgerüstete Eliteeinheiten. Die seien aber anscheinend nicht in der Lage, die Proteste in der Hauptstadt einzudämmen und zugleich anderswo in der Offensive einzugreifen. «Diese Soldaten ausserhalb von Tripolis einzusetzen, könnte die Lage dort aus dem Griff geraten lassen.»

76'000 Soldaten für Ghadhafi im Einsatz

Nach Schätzung des Instituts verfügte Libyen mit Stand vom November über 76'000 Soldaten im aktiven Dienst und 40'000 Milizionäre als Reservetruppe. Viele von ihnen seien im Osten Libyens stationiert gewesen und hätten sich auf die Seite der Opposition geschlagen, sagte Barry. Eliteeinheiten und Teile der Luftwaffe hätten sich mit Gaddafi-Getreuen näher an Tripolis zusammengetan.

dapd/pbe

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