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«Unsere Stadt liegt im Dauerfeuer von Ghadhafis Truppen»

Nicht nur Misrata, sondern auch die von den Rebellen gehaltene Region an der Grenze zu Tunesien wird von Ghadhafis Armee heftig beschossen. In Tripolis verschlechtert sich derweil die Versorgungslage.

Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
AFP
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
AFP
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Reuters
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Die Rebellen meldeten Raketenangriffe und vereinzelte Gefechte in den Vororten der westlichen Stadt Misrata. Die Lage der Menschen habe sich rapide verschlechtert, berichtete ein Sprecher. Der Nationalrat der Rebellen in Benghazis zeigt sich indes skeptisch hinsichtlich der Lage in Misrata und weist Berichte über Fortschritte zurück. Ghadhafi werde die Stadt nicht aufgeben, sonst müsse er auch die Hauptstadt Tripolis aufgeben, sagte Rebellensprecher Ahmed Omar Bani.

Eine ähnliche Situation wird auch aus der entlegenen Bergregion an der Grenze zu Tunesien gemeldet. «Unsere Stadt liegt im Dauerfeuer von Ghadhafis Truppen», berichtete ein Flüchtling aus Kalaa, dem Zentrum des Berbergebiets. Die Besetzung des an Tunesien grenzenden Postens Dehiba-Wasin durch die Rebellen in der vergangenen Woche löste eine Fluchtwelle ins Nachbarland aus. Schätzungsweise 30'000 Menschen flohen nach Tunesien.

Weniger Nahrungsmittel und Benzin in Tripolis

In Tripolis verschlechtert sich derweil die Versorgungslage. Ein Bewohner der Hauptstadt erklärte, Benzin und bestimmte Nahrungsmittel seien knapp geworden. Die Lebensmittelpreise seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen. In der Nacht auf Dienstag hat die Nato zudem weitere Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt geflogen.

Zeugen berichteten zunächst von drei Detonationen im Osten der Stadt, ohne jedoch genauere Angaben machen zu können. Ein Einwohner des Viertels Ain Sara berichtete von Rauch und Flammen. Später folgten nach Angaben eines weiteren Zeugen zwei weitere Explosionen in demselben Stadtteil. Tripolis ist seit Freitag Ziel verstärkter Angriffe von NATO-Kampfflugzeugen. Die NATO hatte in der Nacht zu Montag die Residenz Ghadhafis bombardiert und dabei ein Büro des Machthabers zerstört.

Ghadhafi gehe es gut, er sei bei «guter Gesundheit» und «zuversichtlich», sagte sein Sprecher Mussa Ibrahim am Montag bei einer Pressekonferenz vor dem durch den Angriff zerstörten Gebäude. Ghadhafi «arbeitet jeden Tag, er führt den Kampf, um das Volk mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kraftstoff zu versorgen», sagte Ibrahim. Zugleich verurteilte er den Angriff auf das Büro Ghadhafis als einen «terroristischen Akt» und «versuchten Mord».

Die Vorwürfe der libyschen Regierung

Bei dem Luftangriff seien drei Beamte getötet und 45 weitere verletzt worden, 15 davon schwer, sagte Ibrahim. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, «diese Aggression» zu verurteilen, die die UN-Resolution 1973 für den Libyen-Einsatz verletzt habe. Die NATO müsse «ihre Aggression stoppen und Verhandlungen für eine politische Lösung der Libyen-Krise aufnehmen».

Die Nato erklärte in Brüssel, die Luftangriffe hätten sich gegen ein Kommunikationshauptquartier der libyschen Truppen gerichtet, das für Angriffe auf die Zivilbevölkerung genutzt worden sei. Zu möglichen Opfern könnten keine Angaben gemacht werden. Es gebe keine Möglichkeit, Angaben über zivile Opfer unabhängig zu überprüfen. Anders als die Truppen Ghadhafis tue die NATO weiterhin «ihr Mögliches», um zivile Opfer zu vermeiden.

Raketenbeschuss dauert an

Unterdessen erklärte sich Italien zu «gezielten» Luftangriffen in Libyen bereit. In einer am Montag in Rom veröffentlichten Erklärung teilte Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit, die italienische Luftwaffe werde sich an Angriffen auf libyschem Territorium gegen «spezielle militärische Ziele» beteiligen, um zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung beizutragen.

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle lehnte den Einsatz von Kampftruppen dagegen erneut ab. Ghadhafi müsse den Krieg gegen sein eigenes Volk beenden, sagte Westerwelle der «Bild»-Zeitung. «Deswegen haben wir auf harte Sanktionen und die Befassung des internationalen Strafgerichtshofs gedrängt.» Deutschland habe von Anfang an klar gesagt, sich nicht an dem Kampfeinsatz zu beteiligen. Die Grenzen des Militärischen würden nun sichtbar.

AFP/ sda/jak

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