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Nato intensiviert Luftangriffe

Nato-Kampfjets haben die libysche Hauptstadt Tripolis bombardiert. Eine frühere Geheimdienstzentrale, aber auch ein Gebäude einer zivilen Organisation seien getroffen worden.

Die Nato hat schwere Luftangriffe gegen Kommandozentralen des Machthabers Muammar al-Ghadhafi in Tripolis geflogen. Unter anderen seien ein Kommandostützpunkt des Militärgeheimdienstes und ein von Ghadhafi benutztes Militärlager getroffen worden. Dies berichteten Oppositionsmedien und arabische Fernsehsender. Das nordatlantische Bündnis in Brüssel sprach lediglich vage von «drei Kontroll- und Kommandoeinrichtungen».

Bewohner in der libyschen Hauptstadt hörten in der Nacht auf Dienstag mindestens acht laute Explosionen. Nach Ansicht von Beobachtern zählten die Bombardements zu den schwersten Angriffen seit Beginn der internationalen Luftschläge gegen das Ghadhafi -Militär vor sieben Wochen. Insgesamt flog die Nato in Libyen bisher fast 2300 Angriffe.

Rebellen-Erfolg im Westen

Im Westen des Landes machten Rebellen im Kampf gegen Truppen von Machthaber Ghadhafi Boden gut. In der Nähe der Stadt Misrata verbuchten die Aufständischen Erfolge. Nach Angaben eines AFP-Korrespondenten rückten die Rebellen etwa 15 Kilometer in Richtung der Stadt Sintan zwischen Misrata und Tripolis vor.

Nach Einschätzung eines Verantwortlichen der Rebellen an der Front rückte die Eroberung von Sintan damit in greifbare Nähe. Vieles hänge jedoch von der Unterstützung durch die Nato aus der Luft ab.

In Tripolis gibt es mittlerweile Indizien, die auf eine schrumpfende Unterstützung Ghadhafis schliessen lassen. Ein Augenzeuge berichtete, an einigen Schulen sei die Fahne der Aufständischen gehisst worden.

In den vergangenen Tagen habe es zudem mehrfach nächtliche Razzien und Verfolgungsjagden gegeben. Die Opposition berichtete von kleineren Demonstrationen in den Stadtteilen Souk al-Dschumaa und Tadschura.

UNO fordert Waffenruhe für Nothilfe

UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos rief in New York alle am Konflikt beteiligten Seiten zu einer Waffenruhe auf, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, Wasser, medizinischer Hilfe und sonstigen Hilfsgütern zu ermöglichen.

Dem UNO-Sicherheitsrat sagte sie, eine Kampfpause würde es den Hilfsorganisationen ausserdem erlauben, noch immer in Libyen festsitzende ausländische Arbeiter zu evakuieren. Die Bevölkerung bekäme eine Verschnaufpause.

Melissa Fleming, Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) forderte die im Mittelmeer patrouillierenden europäischen Länder auf, den Flüchtlingsbooten aktiver zu helfen. Jedes Boot, das Libyen verlasse, gelte von diesem Moment an als hilfsbedürftig, nicht erst, wenn es einen Notruf absetzen müsse, sagte sie in Genf.

Ein somalischer Diplomat habe sie darüber informiert, dass die Leichen von 16 Flüchtlingen geborgen worden seien, deren mit 600 Personen besetztes Boot am Freitag vor Tripolis unterging. Unter den geborgenen Leichen hätten sich zwei Säuglinge befunden.

Italien fürchtet Flüchtlingsansturm

Nach UNO-Angaben flohen seit dem Beginn der Kämpfe zwischen Ghadhafi und der Opposition bereits 750'000 Menschen aus Libyen. Der kriegerische Konflikt, der Zusammenbruch der staatlichen Infrastruktur sowie ein Mangel an Geld und Benzin stellten die Bevölkerung des Landes vor «ernste Probleme», sagte Amos.

Seit Beginn des Krieges erreichten 10'000 Flüchtlinge aus Libyen den Süden Italiens. Dies sagte der italienische Innenminister Roberto Maroni, der mit insgesamt bis zu 50'000 Flüchtlingen rechnet, wenn der Konflikt andauert. Libyen drohe zu einem neuen Afghanistan zu werden.

AFP/rub

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