Mit Kampfjets nach Libyen

Zum ersten Mal seit fünfzig Jahren zieht das neutrale Schweden mit seiner Luftwaffe in einen Krieg.

Mit dem Luftwaffeneinsatz verabschiedet sich Schweden von seiner Neutralität: In Libyen kommen die teuren Kampfjets des Typs Jas Gripen zum Einsatz.

Mit dem Luftwaffeneinsatz verabschiedet sich Schweden von seiner Neutralität: In Libyen kommen die teuren Kampfjets des Typs Jas Gripen zum Einsatz.

(Bild: Keystone)

«Wir haben eine Anfrage der Nato positiv beantwortet», erklärte der konservative schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt am Dienstag. Das nicht der westlichen Militärallianz angehörende EU-Land will sich mit acht Kampfjets des Typ Jas Gripen und 130 Soldaten an der Sicherung der Flugverbotszone in Libyen beteiligen. Zudem sollen ein Hercules-Transportflugzeug und eine Überwachungsmaschine zum Einsatz kommen. Für den auf höchstens drei Monate befristeten Kriegseinsatz hat die bürgerliche Regierung Mittel in der Höhe von 200 Millionen Kronen (gut 30 Millionen Franken) bereitgestellt.

Im schwedischen Parlament, das den Einsatz am Freitag formell noch absegnen muss, hat sich die grösste Oppositionspartei, die Sozialdemokraten, hinter den erstmaligen Einsatz der schwedischen Luftwaffe seit dem Kongokonflikt in den Sechzigerjahren gestellt. Dabei verweisen Sprecher verschiedener Parteien auf das entsprechende Mandat des UNO-Sicherheitsrates und die Begrenzung des schwedischen Einsatzes auf die Aufrechterhaltung der Flugverbotszone. Das heisst: Schwedische Jas-Gripen-Jets werden sich nicht an den Angriffen auf libysche Ziele beteiligen.

«Wir wollen dazu beitragen, dass sich der Libyen-einsatz weiter internationalisiert», erklärte der schwedische Verteidigungsminister Sten Tolgfors und wies darauf hin, dass die «Flugverbotszone auch von der Arabischen Liga unterstützt wird».

Werbung für Jas Gripen

Kritiker glauben jedoch, dass der plötzliche Einsatzbefehl mit den Problemen des Landes zu tun hat, für seine milliardenschwere Kampfjet-Eigenentwicklung Käufer im Ausland zu finden. In den vergangenen Jahren haben der Produzent Saab und die Luftwaffenführung wiederholt dafür plädiert, Jas Gripen im Ernstfall einzusetzen und damit Werbung für das schwer verkäufliche Material machen zu können. Zuletzt nahm der schwedische Kampfjet auch an der Vorevaluation für die nun abgeblasene Erneuerung der Schweizer Luftwaffe teil.

Mit der Teilnahme am Nato-Einsatz verabschiedet sich nun Schweden laut Sicherheitsexperte Wilhelm Agrell definitiv von der Neutralität – und empfiehlt sich dem Generalsekretär der Nato, Anders Fogh Rasmussen, der übermorgen Freitag Stockholm besuchen wird.

Tages-Anzeiger

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