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In der syrischen Stadt Daraa fallen erneut Schüsse

Angesichts der blutigen Unruhen in Syrien haben die USA ihre Staatsbürger aufgefordert, das Land schnell zu verlassen. Washington erwägt zudem Sanktionen gegen die Regierung um Präsident Assad.

Die ersten Bilder von Augenzeugen: Panzer in Daraa.
Die ersten Bilder von Augenzeugen: Panzer in Daraa.
Keystone
Bewerfen einen Panzer mit Steinen: Syrische Aktivisten in Daraa.
Bewerfen einen Panzer mit Steinen: Syrische Aktivisten in Daraa.
Reuters
Die Proteste flauen nicht ab: Menschenmenge in einem Vorort von Damaskus.
Die Proteste flauen nicht ab: Menschenmenge in einem Vorort von Damaskus.
Reuters
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Das Regime in Syrien geht weiter gewaltsam gegen Regierungskritiker vor. Einen Tag nach dem blutigen Militäreinsatz in der südlichen Stadt Daraa mit mindestens elf Toten waren dort heute Dienstag einem Einwohner zufolge erneut Schüsse zu hören. Eine syrische Menschenrechtsorganisation erklärte, landesweit habe es Dutzende Festnahmen gegeben. Die Vereinten Nationen wollten sich noch heute mit der Gewalt in Syrien befassen.

Die Einwohner in Daraa würden Opfer eines Massakers, sagte ein Bewohner, der anonym bleiben wollte, telefonisch der Nachrichtenagentur AP. Spezialkräfte seien in der Stadt unterwegs, Panzer hätten das Feuer eröffnet.

Noch immer liegen Tote in den Strassen

Nach dem Militäreinsatz vom Montag lägen noch immer Tote in den Strassen, weil die Leichen nicht geborgen werden könnten. «Kinder werden getötet. Wir haben seit drei Tagen keinen Strom. Wir haben kein Wasser», sagte der Einwohner.

Die syrische Menschenrechtsorganisation (Sohr) erklärte, die meisten Festnahmen habe es in den Vororten der Hauptstadt Damaskus sowie der nördlichen Küstenstadt Dschableh gegeben. Die Telefonverbindungen in Daraa seien noch immer unterbrochen, sagte Sohr-Chef Rami Abdul Rahman.

USA schränken Betrieb in der Botschaft ein

Das US-Aussenministerium riet von allen Reisen nach Syrien ab. Einige für die Arbeit der US-Botschaft nicht unbedingt notwendigen Mitarbeiter und die Familien aller Mitarbeiter der Botschaft wurden aufgefordert, Syrien zu verlassen. Der Betrieb in der Botschaft werde eingeschränkt, hiess es.

Der Ankündigung vorausgegangen war ein verschärftes Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Protestbewegung im Land. Tausende Soldaten rückten am Montag nach Augenzeugenberichten in die Stadt Daraa im Süden Syriens ein, unterstützt von Panzern und Scharfschützen. Dort eröffneten sie das Feuer auf Zivilisten. Mindestens zwanzig Menschen wurden laut Berichten von Augenzeugen getötet. Amnesty International zufolge starben mindestens 23 Menschen. Seit Beginn der Proteste kamen nach Angaben von Aktivisten und Zeugen etwa 390 Menschen ums Leben.

Die syrische Regierung setzte nach Angaben von Bürgerrechtlern auch auf Massenfestnahmen. Sicherheitskräfte hätten im ganzen Land rund 500 Anhänger der Demokratiebewegung festgenommen, teilte die unabhängige syrische Organisation Sawasiah am Dienstag mit.

USA erwägen Sanktionen

Das Weisse Haus erwägt zudem Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus. Die US-Regierung prüfe derzeit verschiedene Schritte, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Tommy Vietor. Bei den Vereinten Nationen dringen Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Portugal im Weltsicherheitsrat darauf, die Gewalt gegen friedliche Demonstranten scharf zu verurteilen. Über einen entsprechenden Entwurf solle noch heute beraten werden, sagte ein UN-Diplomat.

Die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Navi Pillay, sagte in Genf, die syrische Regierung habe sich taub gegen internationale Aufrufe gestellt, «mit dem Töten ihres eigenen Volks aufzuhören». Sie forderte: «Das Töten muss sofort aufhören.»

EDA warnt vor Reisen nach Syrien

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten rät von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen nach Syrien ab. Die Lage im Land sei sehr gespannt, und eine weitere Verschlechterung könne nicht ausgeschlossen werden, heisst es auf der EDA-Website.

dapd/ sda/jak

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