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In Benghazi warten 5000 Männer auf den Kampf

Sie sind jung, unerfahren und brennen darauf, gegen Ghadhafi in den Kampf zu ziehen: Die jungen Kämpfer der Oppositionstruppen sind oft übereifrig – zum Unbehagen altgedienter Militärs.

Freiwillige stehen Schlage: In Benghazi melden sich Zivilisten für den Einsatz in der Armee der Opposition.
Freiwillige stehen Schlage: In Benghazi melden sich Zivilisten für den Einsatz in der Armee der Opposition.
Reuters
Hellauf begeistert: In Sprechchöre verdammen die Rekruten Muammar al-Ghadhafi.
Hellauf begeistert: In Sprechchöre verdammen die Rekruten Muammar al-Ghadhafi.
Reuters
Entschlossen, aber unerfahren: Der sichere Umgang mit Gewehren und Granaten scheint diesen Rekruten noch nicht vertraut zu sein.
Entschlossen, aber unerfahren: Der sichere Umgang mit Gewehren und Granaten scheint diesen Rekruten noch nicht vertraut zu sein.
Reuters
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Mehr als 100 junge kampfbereite Männer stehen stramm auf dem umfunktionierten Schulgebäude in Benghazi, der gefühlten Hauptstadt des von Aufständischen kontrollierten Gebiets im Osten Libyens. Ahmed Jibreel befiehlt seinen Rekruten, aufzustehen, nach links und rechts aufzumarschieren und «Allahu Akbar», Gott ist gross, zu rufen.

«Waffen müssen vorbereitet werden»

Auf die Frage, warum ein Gutteil der Kampfbereiten zunächst nur zum Putzen der Waffen abkommandiert werde, antwortet Jibreel: «Wir müssen die Waffen für den Kampf bereit machen, deswegen müssen sie sauber gehalten werden.» Schliesslich solle bei der Militärausbildung dann auch scharfe Munition zum Einsatz kommen, sagt Jibreel. Seinen Rang will er nicht preisgeben. Im neuen libyschen Militär gebe es keine Dienstgrade. «Wir sind nicht hier, um anzugeben, sondern Kämpfer heranzuziehen, die die Schlacht gewinnen», sagt er.

Das neue formierte Militär verfügt nach eigenen Angaben über genügend Waffen. Ersten Einschätzungen zufolge mangelt es jedoch an moderner Ausrüstung, schwerem Geschütz und Munitionsvorräten. Ausserdem ist das Erscheinungsbild der Rekruten nicht gerade einheitlich. Jeder von ihnen trägt unterschiedliche Uniformen, viele sind in Tarnanzügen des amerikanischen Militärs aufgelaufen. «Uniformen sind nicht wichtig», sagt Jibreel. Wichtig sei die Entschlossenheit, die das Unmögliche möglich mache, betont er: «Ghadhafi ist nur ein Papiertiger.»

Motivierte Rekruten – ohne Erfahrung

Die Aufständischen versuchen dieser Tage unter der Leitung eines neu geschaffenen Militärrats, zersplitterte Gruppen in ihren Truppenverband einzubinden, um im Kampf gegen die Milizen von Machthaber Muammar al-Ghadhafi bestehen zu können. Gleichzeitig muss die Heeresleitung einen regen Zulauf kampfbereiter Freiwilliger steuern, deren Eifer keine Grenzen kennt. Das Problem: Die Rekruten haben oft keine grosse militärische Erfahrung vorzuweisen.

Schon längst haben spontan formierte Milizen junger Aufständischer aus Ostlibyen zu den Waffen gegriffen, um Regierungsgegner in der Hauptstadt Tripolis und der nahegelegenen Stadt Masrata zu Hilfe zu eilen. Auf ihrem 1000 Kilometer langen Marsch gen Westen kam es bereits zu Zusammenstössen mit Ghadhafis Schergen.

Schauplatz der Gefechte war vor allem Sirte, die Heimatstadt des Despoten. Dort seien mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen, erklärt Mohammed, der in Bengasi darauf wartet, sich in die Freiwilligenarmee aufnehmen zu lassen. «Wir haben keine Angst. Ganz Libyen steht zusammen», erklärt er trotzig.

Übermotiviert in das Kampfgetümmel

Gross ist der Eifer der Freiwilligen, die sich der Miliz der Aufständischen anschliessen wollen. In Benghazi stehen nach Behördenangaben rund 5000 Kämpfer bereit, an anderen Orten im Osten Libyens sind es bereits Hunderte. Allerdings ist ihr Übereifer so manchem altgedienten Militäroffiziere nicht ganz geheuer.

«Jeder in Libyen meldet sich als Freiwilliger und ist zu allem bereit, um sich militärisch ausbilden zu lassen», erklärt Oberst Mohammed Rifai, Kampfpilot am Luftwaffenstützpunkt. Über Berichte, wonach sich selbst formierte Milizen alleine in den Kampf stürzten, kann er allerdings nur den Kopf schütteln: «Davon halten wir nichts. Koordination ist die beste Strategie. Aber es ist nun einmal eine Revolution des Volkes», sagt er mit einem Achselzucken.

«Ich würde mich sofort anschliessen»

Der 28-jährige Faisal Mohammed hat sich schon registrieren lassen. Mit 100 anderen Rekruten sitzt er im Schulhof und kann den Beginn der Militärübung kaum erwarten. «Wenn jetzt eine Gruppe in den Kampf ziehen würde, würde ich mich sofort anschliessen», erklärt er. In der Nähe leitet Oberst Saleh Ashur eine Gruppe von Soldaten und Freiwilligen an, die gerade den Rost von Gewehrläufen kratzen und Waffenteile einfetten.

«In meiner Eigenschaft als Militäroffizier sage ich, dass sie sich für einen Angriff erst organisieren müssen, und nicht einfach alleine losgehen sollten», erklärt er. Aber trotzdem sei es schon eine Ironie der Geschichte, dass der Machthaber in Tripolis einst Schüler im Schusswaffengebrauch ausbilden liess, und «sich diese Ausbildung nun gegen Ghadhafi selbst wendet», bemerkt Ashur. Sobald die fünftägige Militärfortbildung abgeschlossen sei, würden die Freiwilligen jedoch gebeten, zunächst nach Hause zu gehen – und auf einen Aufruf zu warten.

dapd/raa

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