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«Ghadhafi wird siegen»

Die Truppen des libyschen Diktators sind auf dem Vormarsch. Auch dank der internationalen Gemeinschaft, wie ein Experte sagt.

Ausnahmezustand in Benghazi: Libyer warten auf die Zuteilung von Kochgas. (13. März 2011)
Ausnahmezustand in Benghazi: Libyer warten auf die Zuteilung von Kochgas. (13. März 2011)
Keystone
Ghadhafi-Gegner: An der Universität von Quar Younis in Benghazi protestierten Studenten gegen den Machthaber ...
Ghadhafi-Gegner: An der Universität von Quar Younis in Benghazi protestierten Studenten gegen den Machthaber ...
Keystone
Schweres Gefecht: Ein Rebell schiesst im umkämpften Ras Lanuf eine Rakete ab. (4. März 2011)
Schweres Gefecht: Ein Rebell schiesst im umkämpften Ras Lanuf eine Rakete ab. (4. März 2011)
Reuters
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Die Streitkräfte von Muammar al-Ghadhafi erobern jeden Tag Gebiete von den Aufständischen zurück. Und jetzt kommt es zum Sturm auf die Rebellenhochburg Benghazi im Nordosten des Landes. In Interviews internationaler Medien gibt sich der libysche Diktator siegessicher. Und nach Ansicht von Experten stehen seine Chancen gut, dass er Benghazi wieder besetzen wird. «Ghadhafi wird siegen», sagt Jordi Tejel Gorgas, Professor am Institut für Internationale Studien in Genf, im Gespräch mit der Zeitung «Le Matin».

Die Aufständischen hätten nicht die nötigen militärischen Mittel, um den Vormarsch von Ghadhafis Truppen, die von Söldnern verstärkt werden, zu stoppen. Ghadhafi profitiere von der Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft. Die Hilferufe der Aufständischen und der Arabischen Liga seien ignoriert worden, kritisiert Gorgas. «Und wenn sich der Westen endlich einig sein wird über eine Intervention in Libyen, wird es zu spät sein.»

Warum sich die USA zurückhalten

Der Genfer Nahost-Spezialist kritisiert nicht nur das «kategorische Nein» der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, sondern auch die Passivität von US-Präsident Barack Obama. Dieser habe sich bisher nicht über eventuelle Hilfen für die Aufständischen geäussert.

Die Zurückhaltung der USA ist aber durchaus nachvollziehbar, wie Gorgas gegenüber «Le Matin» zu verstehen gibt. Washington wolle auf keinen Fall eine dritte Kriegsfront – neben Afghanistan und Irak – eröffnen. Ausserdem gebe es die Befürchtung, dass eine Einmischung in Libyen den Anti-Amerikanismus und Terrorismus fördern könne, selbst wenn es um humanitäre Zwecke gehe. Schliesslich würde den USA vorgeworfen werden, dass diese sich nur für das libysche Öl interessieren.

«China und Russland hoffen auf Belohnung»

Gorgas geht nicht davon aus, dass sich der UNO-Sicherheitsrat zu Massnahmen gegen das Ghadhafi-Regime durchringen kann – wegen des Vetos von China und Russland. Das Verhalten der beiden ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats sei einfach zu erklären: «China und Russland hoffen, dass sie von Tripolis belohnt werden, sobald der Aufstand gegen Ghadhafi zerschlagen ist.» Der UNO-Sicherheitsrat wird sich heute erneut mit dem von der Arabischen Liga geforderten Flugverbot für Libyen beschäftigen.

Ghadhafis Truppen haben inzwischen wieder Stellungen der Rebellen im Osten und Westen Libyens angegriffen, wie Nachrichtenagenturen melden. Umkämpft sind vor allem die Städte Adschdabija und Misrata. Mit der Eroberung von Adschdabija könnte Ghadhafi weiter in den von Rebellen beherrschten Osten des Landes vorstossen. Misrata ist die letzte von den Aufständischen gehaltene Stadt in der westlichen Hälfte Libyens.

Exil-Libyer in der Schweiz machen auf Optimismus

Die Indifferenz gegenüber dem Schicksal der Aufständischen stösst in den internationalen Medien auf zunehmende Kritik. So bemerkt die französische Tageszeitung «Le Monde» zum Vorrücken der Truppen von Ghadhafi: «Es sieht so aus, als habe sich die internationale Gemeinschaft damit abgefunden, dabei zuzusehen, wie Ghadhafi den Aufstand niederschlägt und an der Macht bleibt.»

Als Kontrast zu diesem Kommentar machen Exil-Libyer in der Schweiz auf Optimismus. «Was nun in Libyen passiert, ist das letzte Aufbäumen eines sterbenden Mannes», sagte Said Khaled vom Libyen-Informationszentrum in Olten im Gespräch mit der «Mittelland-Zeitung». «Das Ghadhafi-Regime wird in ein bis zwei Monaten Geschichte sein, da habe ich keine Zweifel.»

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