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Ghadhafi soll Kinder als menschliche Schutzschilde missbrauchen

Die Nato-Jets konzentrieren ihre Bombenangriffe auf Ziele in den noch verbliebenen Hochburgen von al-Ghadhafi. Ein Bericht wirft dem abgetauchten Machthaber den Einsatz von grausamer Kriegstaktik vor.

Nach Angaben der Nato waren zahlreiche Militäreinrichtungen in Ghadhafis Geburtsort Sirte Ziel von Angriffen. Die Nato berichtete auch über Bombardierungen in Bani Walid südöstlich von Tripolis. Medienberichten zufolge hält sich al-Ghadhafi möglicherweise dort auf.

In der Nähe von Sirte seien in den vergangenen 24 Stunden 3 Kommandozentralen, 4 Radaranlagen, 22 bewaffnete Fahrzeuge, 2 Versorgungsfahrzeuge, 1 Leitstand und 2 Raketenstellungen zerstört worden, teilte die Nato mit.

In Bani Walid habe man zwei Kommandozentralen und ein Munitionslager getroffen. Insgesamt seien in den vergangenen 24 Stunden 42 Kampfeinsätze geflogen worden.

Weitere Kriegsgräuel

Unterdessen wurden weitere Kriegsgräuel bekannt. Ein neuer Bericht wirft dem untergetauchten al-Ghadhafi den Einsatz von Kindern als «menschliche Schutzschilde» vor. Wie die in den USA ansässige Organisation Ärzte für Menschenrechte mitteilt, wurden insbesondere während der Belagerung der Stadt Misrata ausserdem auch andere schwere Kriegsverbrechen begangen. Eine Befragung von Einwohnern habe ergeben, dass systematische Vergewaltigungen und das «Verschwindenlassen» von Zivilpersonen als «Kriegswaffe» eingesetzt worden seien.

Mehrere Augenzeugen hätten berichtet, dass 107 Gefangene bei Luftangriffen gezwungen worden seien, in der Nähe militärischer Anlagen zu bleiben, hiess es in dem Bericht weiter. Ein libyscher Vater erzählte demnach Mitarbeitern der Organisation, dass Ghadhafi-Soldaten seinen beiden Kindern befohlen hätten, sich auf einen Panzer zu setzen. «Ihr bleibt hier, und wenn die Nato uns angreift, dann werdet auch ihr sterben», soll einer der Regierungssoldaten der Familie gedroht haben.

Schulgebäude als Internierungslager?

Bei der Befragung Dutzender Augenzeugen durch ein Experten-Team vom 5. bis 12. Juni sei weiter herausgekommen, dass Schulen, Moscheen und Marktplätze als Munitionsdepots verwendet worden seien. In einem anderen Fall erzählte nach Angaben der Menschenrechtsorganisation ein Zeuge, dass ein Schulgebäude als Internierungslager genutzt worden sei. Darin wurden demnach Frauen und sogar Mädchen im Alter von nur 14 Jahren vergewaltigt.

Im Kampf um Misrata soll das libysche Regime darüber hinaus auch die Kappung von Nahrungsmittellieferungen als Druckmittel eingesetzt haben. Der Organisation Ärzte für Menschenrechte liegen eigenen Angaben zufolge Kopien von Dokumenten vor, in denen al-Ghadhafi seinen Soldaten den Befehl gab, die Bevölkerung von Misrata aushungern zu lassen und Hilfslieferungen zu verhindern.

Libyen hofft auf Schweizer Anerkennung

Libyen erwartet von der Schweiz, den Übergangsrat als neue Regierung anzuerkennen. Das sagte der libysche UNO-Botschafter in Genf, Ibrahim Aldredi.

«Die Schweiz sollte jetzt den Übergangsrat anerkennen», sagte Aldredi in einem Interview mit den Zeitungen «Südostschweiz» und «Mittellandzeitung».

Bisher habe die Schweiz den Übergangsrat als legitimen Koordinator für bilaterale Beziehungen vonseiten Libyens anerkannt. Im Moment sei das in Ordnung, sagte Aldredi weiter.

Konto der libyschen UNO-Botschaft blockiert

«Natürlich hätten wir vom Bundesrat erwartet, dass er den Übergangsrat von Beginn weg als Regierung anerkennt. Es gibt sicherlich gute Gründe für die Verzögerung», fügte der Botschafter bei.

Libyen hoffe auch, dass die Schweiz die 600 Millionen Franken libyscher Staatsgelder bald freigebe, die aufgrund einer Resolution des UNO-Sicherheitsrats blockiert wurden.

Die Schweiz habe auch das Konto der libyschen UNO-Botschaft blockiert. Er selbst arbeite bisher ohne Lohn. «Wir können die meisten Rechnungen nicht mehr bezahlen und müssen auf unsere persönlichen Ersparnisse zurückgreifen – doch wir überleben», sagte Aldredi.

Neuer Botschafter bestimmt

Aldredi und seine Botschaftsmitarbeiter hatten bereits am 25. Februar auf dem arabischen Fernsehsender al-Jazeera angekündigt, die Revolution in Libyen zu unterstützen.

Für Bern hat der libysche Übergangsrat schon einen neuen Botschafter bestimmt. Dieser wartet nach Angaben des stellvertretenden libyschen UNO-Botschafters, Adel Shaltut, noch auf seine Akkreditierung.

sda/dapd/bru

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