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«Die verzweifelte Rede eines verzweifelten Diktatoren-Sohnes»

Die TV-Rede von Ghadhafi-Sohn Saif al-Islam hat Libyen-Kenner nicht beeindruckt. Die Ansprache dokumentiere vor allem die Verunsicherung des Regimes in Tripolis.

Saif al-Islam, Sohn von Muammar Ghadhafi, hat in der Nacht in einer TV-Ansprache dem libyschen Volk Reformen versprochen, aber gleichzeitig mit einem Bürgerkrieg gedroht. «Das klang wie eine verzweifelte Rede eines verzweifelten Diktatoren-Sohnes», sagte in einer ersten Reaktion Marwan Bishara, Politik-Analyst des arabischen TV-Senders al-Jazeera. Saif al-Islam habe versucht, das Volk auf seine Seite zu ziehen, indem er ihm gedroht habe, dass er ein Blutbad anrichten könne.

Diese Drohung ist laut Bishara sehr gefährlich, weil sie von einem Mann komme, der nicht einmal eine offizielle Rolle in Libyen habe. Das könne der Beginn eines Albtraum-Szenarios in Libyen sein. Es sei auch bemerkenswert, so der al-Jazeera-Analyst, dass der Ghadhafi-Sohn dem Westen mit einem Chaos in Libyen drohe und gleichzeitig das libysche Volk vor einer Intervention des Westens warne, falls in einem dezentralisierten Land der Einfluss von islamistischen Gruppen zunehmen würde.

Dissidentin: Zustände sind schon schlimm

In einer weiteren Reaktion auf die Rede von Saif al-Islam sagte Najla Abdurahman, eine libysche Dissidentin, dem TV-Sender al-Jazeera, dass der Ghadhafi-Sohn mit den Ängsten in der Bevölkerung spiele. «Ich glaube nicht, dass die Menschen in Libyen, sofern sie nicht dem Regime angehören, den Worten von Saif al-Islam Glauben schenken.» Auch wenn die Reformversprechen stimmen würden, die Situation im Land würde nicht viel besser werden als das, was die Libyer in den letzten 40 Jahren erlebt hätten. «Schulen und Spitäler sind schon in einem schlimmen Zustand.»

Von Verzweiflung in der Rede von Saif al-Islam sprach nicht nur al-Jazeera-Analyst Marwan Bishara. Wie Nachrichtenagenturen berichten, stellten auch andere Kommentatoren fest, dass in der Rede des Ghadhafi-Sohnes immer wieder eine gewisse Verzweiflung durchklang. So wurde deutlich, dass die Regierung die Kontrolle über die zweitgrösste Stadt Bengasi verloren hat. Demonstranten hätten sich mehrerer Panzer und Waffen bemächtigt, räumte Saif al-Islam ein. Er warf arabischen und afrikanischen Kräften vor, die Unruhen zu schüren, um die Einheit des Landes zu zerstören und ein islamistisches Regime zu errichten. Gleichzeitig drohte er allen ausländischen Ölfirmen mit dem Rauswurf aus Libyen. Und mit Blick auf die erfolgreichen Proteste in Tunesien und Ägypten sagte er mehrmals: «Libyen ist nicht Tunesien oder Ägypten.»

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