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Der «tollwütige Hund» des Nahen Ostens

Kaum ein Diktator ist so exzentrisch wie Muammar al-Ghadhafi. Seine Unberechenbarkeit macht ihn zu einem gefürchteten Gegner. Ein Porträt über einen Mann, der in einem Wüstenzelt geboren wurde.

Bizarrer Auftritt: In seinem ersten Fernsehauftritt nach Beginn der Proteste erschien Ghadhafi mit einem Regenschirm und einer Art Jägerkappe über den Ohren, 22. Februar 2011.
Bizarrer Auftritt: In seinem ersten Fernsehauftritt nach Beginn der Proteste erschien Ghadhafi mit einem Regenschirm und einer Art Jägerkappe über den Ohren, 22. Februar 2011.
Keystone
Afrikas dienstältester Herrscher: Nach 42 Jahren an der Macht wackelt Muammar al-Ghadhafis Thron.
Afrikas dienstältester Herrscher: Nach 42 Jahren an der Macht wackelt Muammar al-Ghadhafis Thron.
Keystone
Seine Staatsideologie begründete Ghadhafi in seinem «Grünen Buch» – korrekt al-Kitab al-achdabis. Es begründet eine islamische Version des Sozialismus. Bis heute übergibt Ghadhafi es Staatsgästen und Diplomaten als Geschenk.
Seine Staatsideologie begründete Ghadhafi in seinem «Grünen Buch» – korrekt al-Kitab al-achdabis. Es begründet eine islamische Version des Sozialismus. Bis heute übergibt Ghadhafi es Staatsgästen und Diplomaten als Geschenk.
Keystone
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Ohne offizielles Staatsamt führt Muammar al-Ghadhafi die Regierungsgeschäfte in Libyen. Der 68-Jährige führte gerade erst sein Land langsam aus der internationalen Isolation und sieht sich nun der schwersten Herausforderung seit über 40 Jahren gegenüber.

Ghadhafi wurde im September 1942 in einem Zelt in der Wüste geboren. Seine Eltern waren arme Beduinen. Nur Ghadhafi genoss als einziger Sohn und jüngstes von vier Kindern eine Schulausbildung. Anfang der 60er Jahre konnte er sogar Geschichte und Jura studieren, bis ihn eine Militärakademie als Offiziersanwärter aufnahm.

1965 gründete Ghadhafi den «Bund der freien Offiziere», der den Sturz der 1951 mit der Unabhängigkeit ausgerufenen Monarchie anstrebte. Mithilfe dieser Organisation setzte er 1969 König Idris ab. Ghadhafi beförderte sich selbst zum Oberst, übernahm den Befehl über die Streitkräfte sowie den Vorsitz des Revolutionsrats und war bis 1972 auch Regierungschef.

1979 letztes Amt niedergelegt

Ghadhafi verschrieb sich der arabischen Einheit, dem Sozialismus und dem Kampf für die Verbreitung des Islams in der Welt. Er verbot Alkohol, liess christliche Kirchen schliessen und erklärte den Koran zum Kodex allen Lebens.

1973 leitete er jedoch eine Abkehr von diesem Konzept ein und entwarf in seinem Grünbuch eine Anleitung zur Umsetzung der direkten Demokratie. Mit der Ausrufung der «Grossen Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija» 1977 wurde das Allgemeine Volkskomitee, vergleichbar einer Regierung, eingesetzt.

1979 legte Ghadhafi formal sein letztes politisches Amt, das des Staatspräsidenten, nieder. De facto blieben aber er und seine langjährigen Weggefährten die bestimmenden politischen Persönlichkeiten des Landes.

Wegen des Lockerbie-Anschlags in der Isolation

Verbindungen zum internationalen Terrorismus und der Lockerbie-Anschlag führten Libyen in die internationale Isolation. Dies änderte sich erst um die Jahrtausendwende, als Ghadhafi unter anderem dem Terrorismus abschwor, die Opfer des Anschlags von Lockerbie entschädigte und sich zum Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bereit erklärte.

Danach begann Ghadhafi, um westliche Investitionen zu werben und bekannte sich zum Prinzip der Privatwirtschaft. Seinem exzentrischen Auftreten blieb Ghadhafi aber treu. Der «tollwütige Hund des Nahen Ostens», wie Ronald Reagan ihn einst nannte, provozierte immer wieder und lieferte sich diplomatische Rangeleien mit dem Ausland. Auch seine Kinder – der Staatschef hat sieben Söhne und eine Tochter – gerieten international immer wieder in die Schlagzeilen.

Sein zweitältester Sohn, Saif al-Islam Ghadhafi, wird als Nachfolger gehandelt. Er trat international als Vermittler in Erscheinung. Der 36-Jährige wird von den Libyern «der Ingenieur» genannt und hat Wirtschaft und Architektur studiert.

SDA/miw

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