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Kriegsszenen in den Strassen von Saint-Denis

Feuergefechte, Explosionen, Verhaftungen: Französische Eliteeinheiten stürmten im Pariser Vorort die Wohnung mutmasslicher Terroristen. Ein Video zeigt den Einsatz.

Auch das Militär war im Einsatz: Soldaten bringen sich in Saint-Denis in Stellung (18. November 2015).
Auch das Militär war im Einsatz: Soldaten bringen sich in Saint-Denis in Stellung (18. November 2015).
Reuters

Schüsse und Explosionen reissen die Bewohner von Saint-Denis am frühen Mittwochmorgen aus dem Schlaf, es spielen sich Szenen ab wie in einem Bürgerkrieg: Schwerbewaffnete und maskierte Polizisten stürmen in ein Haus, Soldaten mit Sturmgewehr im Anschlag patrouillieren auf der Strasse, ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer überfliegt das Gebiet. «Das wirkt wie im Krieg», sagt die 26-Jährige Hayat schockiert. «Ich hätte eine Kugel abbekommen können.»

Fünf Tage nach den Anschlägen von Paris erreicht die Suche nach den Verantwortlichen einen dramatischen Höhepunkt: Bei einem Einsatz im Morgengrauen versuchen Elite-Einheiten in der Vorstadt Saint-Denis den mutmasslichen Drahtzieher der Anschlagsserie zu fassen, den berüchtigten belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Sie stürmen eine Wohnung in der Rue du Corbillon Nummer 8. Es kommt zu heftigen Schiessereien, eine Frau sprengt sich in die Luft.

Angefangen hat alles um 4.25 Uhr. Der stellvertretende Bürgermeister Stephane Peu sagt dem Sender i-Tele, bei dem Einsatz auf der Rue de la République im Zentrum von Saint-Denis gebe es Gewehrschüsse und Explosionen. Er drängt die Bürger, zu Hause zu bleiben. «Das ist kein neuer Angriff, das ist eine Polizeiaktion», versichert er.

Schüsse hallen durch die Strassen: Dieses Video zeigt offenbar den Beginn des Einsatzes in Saint-Denis am frühen Morgen zeigen (Quelle: Paris Match).

Polizeiwagen und Feuerwehrfahrzeuge rasen zum Einsatzort, ein Hubschrauber kreist am Himmel. Die Polizei hat die gesamte Umgebung abgesperrt, einschliesslich der nahen Fussgängerzone mit ihren Geschäften und Gründerzeitbauten. In dem von der Polizei belagerten Gebäude sollen sich mehrere Personen verschanzt haben, so melden es zu dem Zeitpunkt französische Sender.

Um 7 Uhr wird klar: Der Einsatz, an dem die französischen Elitetruppen RAID und BRI beteiligt sind, gelten dem mutmasslichen Drahtzieher der Anschlagsserie vom Freitag, Abdelhamid Abaaoud. Er soll nicht nur der Kopf hinter den Pariser Anschlägen sein, sondern auch hinter zwei anderen Terrorplänen stecken, die dieses Jahr in Frankreich vereitelt wurden: die im April gescheiterten Anschläge auf Kirchen nahe Paris und die im August von Passagieren gestoppte Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Paris.

Armeetransporter treffen am Ort der Razzia ein, Soldaten bringen sich in Stellung. Drei Polizisten sind zu diesem Zeitpunkt in Feuergefechten verletzt worden.

7.39: Die örtliche Polizei warnt die Bevölkerung, nicht ins Stadtzentrum zu gehen. Laute Explosionen sind zu hören.

Kurz vor 8 Uhr ist klar: Zwei Menschen sind beim Anti-Terror-Einsatz ums Leben gekommen. Darunter eine Frau, die sich in die Luft gesprengt hatte. Ein Mann soll durch eine Granate der Polizei getötet worden sein. Die Zerstörung durch die Explosionen und Feuergefechte sind massiv, wie auf Bildern zu sehen ist.

10 Uhr: Die Polizei vernimmt Verdächtige in der Wohnung sowie in der Umgebung. Die Frau, die sich selber tötete, soll seit Tagen überwacht worden sein. Laut Medienberichten ist sie die Cousine des mutmasslichen Drahtziehers Abdelhamid Abaaoud.

Um 11.26 erklärt die Polizei den Einsatz für beendet. Die Bilanz: Sieben Verdächtige wurden verhaftet, darunter der Mann, der die Wohnung zur Verfügung gestellt hatte. Zwei Menschen starben beim Zugriff der Einsatzkräfte, fünf Polizisten wurden verletzt.

Bislang ist unklar, ob Abdelhamid Abaaoud gefasst, getötet oder noch frei ist. «Nach Lage der Dinge ist es unmöglich, Ihnen die Identitäten der Festgenommenen zu nennen», sagte Staatsanwalt François Molins nach Ende der Razzia. «Es wird alles getan, um festzustellen, wer wer ist.» Sobald Erkenntnisse vorlägen, werde man bekannt geben, wer in der durchsuchten Wohnung gewesen sei und was daraus folge. Molins und Innenminister Bernard Cazeneuve wollten nicht sagen, ob noch Verdächtige auf freiem Fuss sind. Um 19 Uhr will Cazeneuve an einer Pressekonferenz weitere Informationen bekannt geben.

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