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«Wir werden belagert»

Seit zwei Wochen belagern Tausende Anhänger der Opposition das Regierungsviertel im pakistanischen Islamabad. Nun haben sie den Sitz des Staatsfernsehens gestürmt.

Schwere Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei: Protestierende in Islamabad. (1. September 2014)
Schwere Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei: Protestierende in Islamabad. (1. September 2014)
AFP

Bei neuen gewalttätigen Protesten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind am Montag mehrere Menschen verletzt worden. Fünf Polizisten und drei Demonstranten seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilten die Behörden mit. Regierungsgegner stürmten die Sendezentrale des Staatsfernsehens und rückten ins Regierungsviertel vor, um zur Residenz von Ministerpräsident Nawaz Sharif zu gelangen. Dort wurden sie aber von Paramilitärs und Armee gestoppt.

Bei den seit Wochen anhaltenden Protesten von Anhängern des Oppositionspolitikers Imran Khan und des Geistlichen Tahir-ul-Qadri war es schon am Wochenende zu Gewalt gekommen. Drei Menschen wurden getötet und fast 400 weitere verletzt. Die Regierungsgegner werfen Sharif Wahlfälschung vor und verlangen seinen Rücktritt.

In der Red Zone

Am Montag gerieten Protestierende und Polizei dann erneut an mehreren Orten der sogenannten Red Zone - des abgegrenzten Regierungsviertels mit Verwaltungsgebäuden und Grünflächen - aneinander. Viele der Demonstranten waren mit Knüppeln bewaffnet und vermummt. Einige warfen Steine auf Polizisten. Qadri sagte vor Demonstranten: «Wir haben die Nähe der Residenz des Ministerpräsidenten erreicht, wartet noch ein bisschen und ihr werdet die Nachricht unseres Gesamtsiegs vernehmen.»

Der Staatssender, der ebenfalls in der Roten Zone liegt, musste nach dem Sturm der Demonstranten vorübergehend seine Sendungen unterbrechen. Auf den Gängen waren Protestierende mit Stöcken und Knüppeln unterwegs und zertrümmerten die Einrichtung. Manager Athar Farooq sagte, 20 Kameras seien weg. «Die Eindringlinge schienen gut trainiert», sagte er. Einige hätten auch Sharifs Porträt von der Wand gerissen und darauf herumgetrampelt. Letztlich wurden sie von Armee und paramilitärischen Einheiten aus dem Gebäude vertrieben.

Kricket-Star distanziert sich

Der frühere Kricket-Star Khan distanzierte sich von der Besetzung. «Wir haben niemanden gebeten, in irgendwelche Gebäude einzudringen, das sind nicht unsere Leute», sagte er. Zuvor hatte Verteidigungsminister Khwaja Asif den Protestierenden vorgeworfen, Chaos im Land zu verbreiten und dem Ansehen Pakistans zu schaden.

Die Proteste bringen die seit gut einem Jahr amtierende Regierung Sharif in Bedrängnis. Mehrere Verhandlungsrunden zwischen der Regierung und ihren Gegnern brachten kein Ergebnis. Sharif hatte die Wahl im Mai 2013 mit grosser Mehrheit für sich entschieden. Damals fanden internationale Beobachter keine Hinweise auf gross angelegte Manipulationen. Erst ein Jahr später brachten Khan und Quadri diesen Vorwurf massiv vor.

Am Unabhängigkeitstag, dem 14. August, begann der Protest in Lahore mit einem Marsch auf die Hauptstadt. Khan und Qadri riefen Millionen auf die Strassen, tatsächlich schlossen sich einige Zehntausend dem Protest an. Lange blieben die Proteste friedlich. Allerdings verstopften sie die Innenstadt von Islamabad.

SDA/ajk

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