Warum ausgerechnet Guam?

Nordkorea droht den USA damit, die Insel im Westpazifik anzugreifen. Das hat einen speziellen Grund.

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Warum Guam? Das Regime von Nordkorea drohte den USA gestern Dienstag damit, die westpazifische Insel in «ein alles umhüllendes Feuer» zu legen. Nach eigenen Angaben prüft das Regime Pläne für einen Raketenangriff auf den amerikanischen Stützpunkt Andersen Air Force Base, wie die staatliche Nachrichtenagentur berichtete.

Die Insel Guam liegt etwa 3400 Kilometer von Pyongyang entfernt und ist US-amerikanisches Territorium. Die als Ziel genannte Militärbasis Andersen Air Force ist eine von drei amerikanischen Militärstützpunkten auf der Insel und jene, die am nächsten bei Nordkorea liegt. Alle drei repräsentieren gemäss CNN die «westlichste Spitze der amerikanischen Militärmacht».

«Wichtiges strategisches Zentrum»

Ashton Carter, der unter Präsident Barack Obama Verteidigungsminister war, nannte die Insel vor Jahren ein «wichtiges strategisches Zentrum» für das amerikanische Militär im Westpazifik. Im Südchinesischen Meer befindet sich China in zahlreichen territorialen Konflikten mit manchen seiner Nachbarn – einige davon sind Verbündete der USA.

Die militärische Präsenz auf der Insel wollen die USA in den kommenden Jahren noch ausbauen. 2016 war die Rede von einer Verdoppelung: Zurzeit sind 6000 amerikanische Soldaten auf Guam stationiert. Ab 2022 sollen 5000 Marinesoldaten von der japanischen Inselgruppe Okinawa nach Guam umgesiedelt werden. Knapp 30 Prozent der Inselfläche sind vom amerikanischen Militär eingenommen.

Das schwierige Erbe

Das umreisst auch das Problem, das manche Inselbewohner mit der Omnipräsenz des amerikanischen Militärs haben: Sie sprechen von Kolonialismus. Dies rührt zum einen von der Geschichte Guams her: Als 1898 der spanisch-amerikanische Krieg endete, kam die Insel unter die Kontrolle der amerikanischen Kriegsmarine. Sie blieb amerikanischer Besitz, bis das japanische Militär nach seinem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 die Insel besetzte. Die Besetzung dauerte drei Jahre, in dieser Zeit wurden rund 1000 Menschen getötet. 1944 eroberten die USA die Insel in einem blutigen Kampf zurück. Seither gehört Guam zu den USA.

Zum anderen geniessen die rund 160'000 Inselbewohner nicht alle amerikanischen Bürgerrechte, obwohl sie amerikanische Bürger sind – ihnen ist es etwa nicht möglich, den Präsidenten zu wählen.

«Aktuell keine Gefahr für Guam»

Auch wenn der Militärdienst auf Guam für viele Familien zur Tradition geworden ist, ist bei den Chamorros, dem indigenen Inselvolk, die Skepsis vor dem Militär eher gross. Guam sei nichts anderes als eine Militärkolonie – noch dazu eine, die vom Heimatland nicht richtig geschätzt werde. Julian Aguon, Anwalt für Menschenrechte, sagte im «Diplomat», dass der Militarismus zum Alltag auf Guam gehöre. «Er ist Teil unserer Nahrung – wie ein Protein, das sehr schwer wegzubringen ist.»

Der Gouverneur von Guam, Eddie Baza Calvo, beruhigt sein Volk.

Anders sieht dies Eddie Baza Calvo, der Gouverneur von Guam. In einer Videobotschaft, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, richtete er sich an sein Volk und betonte, die Insel sei nicht nur ein militärischer Stützpunkt, sondern Teil der USA. «Aktuell besteht keine Gefahr für Guam», versicherte Calvo. Eine Attacke auf Guam sei eine Attacke auf die USA.

slm

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