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US-Drohnen lenkten türkische Bomben auf die PKK

Enthüllung auf Wikileaks: Die USA stellten Ankara während Jahren Predator-Drohnen im Kampf gegen die PKK zur Verfügung. Mit dem Abzug aus dem Irak soll damit Schluss sein – ein Dilemma für die Türkei.

Eine imposante Erscheinung: Die Global Hawk der US Airforce.
Eine imposante Erscheinung: Die Global Hawk der US Airforce.
Reuters
Eine MQ-9 Reaper der US Air Force beim Einsatz in Afghanistan.
Eine MQ-9 Reaper der US Air Force beim Einsatz in Afghanistan.
Reuters
Gefährliche Waffe: Eine Predator-Drohne im Nachteinsatz über Kandahar im Süden Afghanistans.
Gefährliche Waffe: Eine Predator-Drohne im Nachteinsatz über Kandahar im Süden Afghanistans.
AFP
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Wenn die US-Streitkräfte bis zum 31. Dezember 2011 aus dem Irak abgezogen sein werden, wird dies nicht nur für das kriegszerrüttete Land selber Konsequenzen haben, sondern auch für den nordwestlichen Nachbarn Türkei. Wie mehrere auf Wikileaks veröffentlichte Botschaftsdepeschen zeigen, profitierte die Türkei während Jahren erheblich von US-Drohnen, welche zurzeit noch im Norden Iraks stationiert sind. Im Zuge der von Präsident George W. Bush und Premierminister Erdogan gegründeten «Combined Intelligence Fusion Cell» stellte die USA dem Land nämlich seit Ende 2007 solche im Kampf gegen die PKK zur Verfügung.

Vor allem die US-Aufklärungsdrohnen des Typs Predator wurden laut dem «Spiegel» dazu verwendet, Ziele in der gebirgigen Grenzregion zum Irak ausfindig zu machen. Die Versorgung des türkischen Militärs mit Aufklärungsergebnissen habe die Offensive gegen die kurdische Arbeiterpartei erst möglich gemacht, so die Zeitung. Seit Dezember 2007 konnte die türkische Luftwaffe dank US-Unterstützung Tausende Luftangriffe fliegen und dabei laut dem Magazin «The Daily Beast» schon über 150 PKK-Kämpfer töten.

Ankaras Wunsch nach Drohnen

Mit dem Abzug der US-Armee aus dem Irak befürchtet die Türkei nun, auf ein wichtiges Hilfsmittel verzichten zu müssen. Auszüge aus den Wikileaks-Dokumenten zeigen einen geradezu verzweifelten türkischen Generalstabschef Ilker Basbug: «Es wird schwierig werden, die Bedrohung auszuschalten, wenn die US-Truppen abgezogen sind.» Erst im Januar hatte die US-Regierung nämlich den Wunsch der Türkei nach einem Kauf von bewaffneten Predator-Drohnen abgelehnt. Der Widerstand im US-Kongress war gross, die Angst in einen weiteren Regionalkonflikt verwickelt zu werden, bestimmt zurzeit die US-Aussenpolitik.

Wie die «Washington Post» hervorhebt, sind die unbemannten Fluggeräte in den letzten Jahren nicht nur zu wirksamen Mitteln in der Terrorbekämpfung geworden, sie haben sich auch zu einem wahren Politikum entwickelt. Tatsächlich spielen Drohnen denn auch im aktuellen Disput zwischen der Türkei und Israel eine Rolle. Ankara hatte während Jahren Heron-Drohnen geleast, bis Jerusalem den Vertrag kurzfristig und zum Unmut der Türkei kündigte. Danach stellte sich eine Bestellung von zehn der israelischen Aufklärer als technisch unzuverlässig heraus. Ein Teil dieser Herons befindet sich momentan zu Reparaturzwecken zurück in Israel. Laut dem «Spiegel» beschuldigt Premierminister Erdogan Jerusalem, es weigere sich, diese Drohnen wieder auszuliefern. Mit der Verschärfung des Streits zwischen den beiden Ländern bleibt nun fraglich, ob die Türkei diese Flugzeuge so bald wiedersehen wird.

Politisches Dilemma

So versucht sich die Türkei weiter an die Unterstützung der USA zu klammern. Letzte Woche deponierte Ankara gemäss der «Washington Post» die Bitte bei der US-Regierung, man möge eine Flotte von Drohnen in der Türkei stationieren. Bisher hat Washington bezüglich der Anfrage noch keine Entscheidung getroffen. Mit den wachsenden Spannungen zwischen der Türkei und Israel wird die Unterstützung von Ankara zusehends umstritten. Zudem stellt der Wunsch aus Ankara die USA vor ein weiteres Dilemma: Zwar stuft sie die PKK als terroristische Organisation ein, jedoch ist diese keine direkte Gefahr für die USA. Washington läuft Gefahr, sich einen neuen Feind zu machen.

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