Zum Hauptinhalt springen

Überraschungsbesuch aus dem Norden

Hochrangige Funktionäre aus Nordkorea haben dem Rivalen im Süden einen Besuch abgestattet. Nun sind weitere Spitzentreffen geplant.

Überraschender Besuch: Nordkoreas politische Nummer zwei, Hwang Pyong-so und der südkoreanische Einheitsminister Ryoo Kihl-jae. (4. Oktober 2014)
Überraschender Besuch: Nordkoreas politische Nummer zwei, Hwang Pyong-so und der südkoreanische Einheitsminister Ryoo Kihl-jae. (4. Oktober 2014)
Keystone

Nach monatelangen Spannungen pflegen die verfeindeten Nachbarn Nord- und Südkorea wieder Kontakte auf höchster Ebene. Überraschend traf sich der nordkoreanische Spitzenfunktionär Hwang Pyong-so - die Nummer zwei hinter Machthaber Kim Jong-un - mit südkoreanischen Ministern und vereinbarte mit ihnen eine zweite Gesprächsrunde für Ende Oktober oder Anfang November. Dies bestätigte die südkoreanische Regierung. Was besprochen wurde, blieb offen. Beide Seiten drückten die Hoffnung auf bessere Beziehungen aus.

Die nordkoreanische Delegation war zum Schlusstag der Asienspiele in der südkoreanischen Stadt Incheon angereist. Der Besuch gilt als diplomatisch bedeutsam, weil es monatelang verbale und militärische Drohgebärden zwischen beiden Nachbarländern gab. Das kommunistische Nord- und das mit dem Westen verbündete Südkorea haben nach dem Ende ihres Kriegs 1953 nie Frieden geschlossen. Das letzte ähnlich hoch angesiedelte Treffen gab es 2009.

«Goldene Gelegenheit»

Der Nordkoreaner Hwang ist Spitzenfunktionär der dortigen Volksarmee und Vize-Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, die von Machthaber Kim selbst geführt wird. Hwang wurde in Südkorea unter anderem von Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae und dem Direktor für Nationale Sicherheit, Kim Kwan Jin empfangen. Auch die südkoreanische Präsidentin Park Guen-hye sei zu einem Treffen bereit gewesen. Doch habe die nordkoreanische Delegation vor der Abschlussfeier der Asienspiele keine Zeit mehr gehabt, hiess es.

Der amerikanische Korea-Experte John Delury von der Yonsei-Universität in Seoul wertete den Besuch der Nordkoreaner als «goldene Gelegenheit», deren Willen zu besseren Beziehungen zu testen. Auch könne das Gespräch dazu dienen, den Prozess zur Wiedervereinigung der verfeindeten Länder voranzubringen.

Spekulationen über Kim Jong-un

Im Februar hatten beide Länder auf Beamtenebene über Details ihrer Beziehungen verhandelt, unter anderem über die Zusammenführung von Familien, die seit dem Krieg getrennt sind. Anlass für die letzten höchstrangigen Gespräche 2009 war ein Besuch nach dem Tod des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung gewesen. Eine nordkoreanische Delegation hatte mit Nachfolger Lee Myung-bak gesprochen. Damals und auch jetzt mit dabei war Nordkoreas Geheimdienstchef Kim Yang-gon.

Doch hatten sich die Beziehungen der Nachbarn danach verschlechtert. Zuletzt beschimpften sich die Führungen beider Länder häufig gegenseitig. Nordkoreanische Staatsmedien hatten Südkoreas Präsidentin Park zuletzt als Prostituierte bezeichnet.

Über Nordkoreas Machthaber Kim kursierten Spekulationen, seine Gesundheit sei angeschlagen. Er hat sich seit dem 3. September nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Filmmaterial zeigte ihn im August humpelnd und mit Übergewicht.

sda/AP/chk/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch