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«Übereilte Aktion» führte zu Blutbad

Inzwischen ist klar: Die Geiselnahme in einer Kirche von Bagdad forderte mindestens 58 Todesopfer. An der Befreiungsaktion der Sicherheitskräfte wird massive Kritik geübt.

Kirche mitten in Trümmern: Hier fand das Geiseldrama statt.

Beim Geiseldrama in einer Bagdader Kirche sind weit mehr Menschen ums Leben gekommen als zunächst angenommen. Mindestens 58 Menschen wurden getötet und 78 weitere verletzt - fast alle, die sich in dem Gotteshaus befanden. Eine Gruppe schwer bewaffneter Extremisten hatte die Gläubigen am Sonntagabend während des Gottesdienstes überfallen. Nach vier Stunden stürmten irakische Sicherheitskräfte die Kirche. Zu der Geiselnahme bekannte sich eine islamistische Gruppierung mit Verbindungen zu al-Qaida.

Der Geiselnahme in der Kirche gingen ein Autobombenanschlag und ein Überfall auf die Börse voraus. Bei Einbruch der Dunkelheit drangen die mit Sprengstoffwesten und Granaten bewaffneten Angreifer dann in die chaldäisch-katholische Kirche im Bagdader Stadtteil Karrada ein, in der sich etwa 120 Christen zu einer Messe versammelt hatten. Bei den Toten handelt es sich um 41 Christen in der Kirche, darunter zwei Priester, sowie zwölf Polizisten. Fünf Passanten wurden bei der Autobombenexplosion getötet.

Kritik an Erstürmung

Unklar war zunächst auch, wie die Geiseln zu Tode kamen. Ein christlicher Abgeordneter des irakischen Parlaments, Junadem Kana, sagte am Montag, die meisten Opfer habe es zu Beginn der Befreiungsaktion gegeben. Er kritisierte die Erstürmung als unprofessionell und sprach von einer «übereilten Aktion, die die Terroristen dazu gebracht hat, die Geiseln zu töten».

Über die genaue Zahl der beteiligten Attentäter gab es widersprüchliche Angaben. Ein Militärsprecher sagte am Sonntagabend, die Sicherheitskräfte hätten acht Angreifer getötet. Die US-Streitkräfte sprachen von fünf bis sieben getöteten Geiselnehmern. Zwei Polizisten vor Ort erklärten dagegen, nur drei Angreifer seien ums Leben gekommen. Weitere sieben seien festgenommen worden. Ein irakischer Militärsprecher erklärte am Montag, fünf Verdächtige seien festgenommen worden, darunter einige Ausländer. Ein US-Militärsprecher sagte, irakische Soldaten hätten 70 Geiseln gerettet.

In einer eher verworren formulierten Stellungnahme im Internet schien die Organisation Islamischer Staat Irak die Verantwortung für die Geiselnahme zu übernehmen. Die Gruppe, die in Verbindung mit al-Qaida im Irak steht, drohte damit, irakische Christen «auszulöschen», wenn muslimische Frauen in Ägypten nicht befreit würden. Konkret wurden in der Internet-Botschaft zwei Ägypterinnen erwähnt, die vom Christentum zum Islam konvertiert seien und gegen ihren Willen festgehalten würden. Die Extremisten riefen den Vatikan auf, sich für die Freilassung der Frauen einzusetzen, «andernfalls wird der Tod zu euch allen kommen».

Papst verurteilt «absurde Gewalt»

Papst Benedikt XVI. verurteilte den Angriff auf die Kirche als «absurde Gewalt». Er sei umso grausamer als er sich gegen unbewaffnete Menschen in einem Gotteshaus gerichtet habe, sagte der Papst am Montag.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, reagierte mit grosser Bestürzung auf das Geiseldrama. Erneut seien Christen im Irak «Opfer eines mörderischen Fanatismus» geworden, beklagte er. Die internationale Staatengemeinschaft und die irakischen Behörden seien aufgefordert, «der kontinuierlichen Bedrohung des Christentums im Irak entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen».

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki sagte, der Überfall sei ein Versuch von Aufständischen, die verschiedenen Volks- und Religionsgruppen wieder gegeneinander aufzuhetzen. Ausserdem versuchten die Angreifer, Christen aus dem Land zu treiben. Die irakischen Behörden verstärkten am Montag die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von christlichen Vierteln und Kirchen in Mossul, Kirkuk und Bagdad.

AFP/mrs

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