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Snowdens Gäste mussten ihr Handy im Kühlschrank deponieren

Ein Rechtsberater schilderte der Nachrichtenagentur AFP, wie Ex-NSA-Mann Edward Snowden Hals über Kopf aus Hongkong flüchtete.

Von ihm haben die meisten Hongkonger nur Bilder zu sehen bekommen: Edward Snowden auf einem Screen am Eingang eines Shoppingcenters in der asiatischen Millionenmetropole.
Von ihm haben die meisten Hongkonger nur Bilder zu sehen bekommen: Edward Snowden auf einem Screen am Eingang eines Shoppingcenters in der asiatischen Millionenmetropole.
Keystone

Die Angst, ohne Computer in einem Hongkonger Gefängnis zu verschwinden, hat den US-Informanten Edward Snowden offenbar zur raschen Flucht getrieben. Auf einer tristen «Party» vor einer Woche, kurz vor seinem 30. Geburtstag am Freitag, wurde die brisante Lage des Flüchtlings bei Pizza, Chicken Wings, Würstchen und Pepsi erörtert, wie einer seiner Rechtsberater am Dienstag schilderte. Snowden habe so grosse Angst vor Überwachung gehabt, dass seine wenigen Gäste ihre Handys im Kühlschrank seines Verstecks hätten deponieren müssen, sagte der prominente Abgeordnete und Jurist Albert Ho der AFP.

Nach Hos Angaben verliess Snowden am 10. Juni das Hotel Mira, wechselte dann ein- oder zweimal des Nachts sein Quartier und kam bei einem Unterstützer unter. Sein Versteck sei «winzig» gewesen, aber so lange er ins Internet konnte, sei es für Snowden erträglich geblieben, sagte Ho.

«Er war extrem beunruhigt»

Bei dem konspirativen Treffen am vergangenen Dienstag hätten seine Rechtsberater gewarnt, dass er bei einem Auslieferungsantrag aus den USA rasch in einem Knast in Hongkong hätte landen können, isoliert, ohne Internet. «Er war extrem beunruhigt», sagte Ho. Nach der Pizza-Party habe ein mysteriöser Verbindungsmann Snowden dann zugesichert, dass er nicht daran gehindert würde, Hongkong im Flugzeug zu verlassen. «Ich denke, er hat dann am Freitagabend beschlossen, die Flucht zu wagen», sagte Ho.

Inzwischen hat sich die russische Führung zum Verbleib Snowdens gemeldet. Nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin halte sich der US-Geheimdienstspezialist in Moskau auf.

Putin will ihn los haben

Er befinde sich nach wie vor im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo, sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag während einer Pressekonferenz in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Die Ankunft des 30-jährigen Snowden sei für Russland eine Überraschung gewesen.

«Ich hoffe, dass sich der Fall nicht auf die Beziehungen zwischen Russland und den USA auswirkt», sagte Putin. «Je schneller Snowden sein Reiseziel wählt, umso besser für ihn und für Russland.» Russische Geheimdienste hätten nicht mit Snowden zusammengearbeitet, betonte der Kremlchef.

Russische Grenze nicht überschritten

Die USA hatten von Russland die Auslieferung des 30-Jährigen verlangt, der Spähprogramme des US- und britischen Geheimdienstes enthüllt hatte. Putin sagte weiter, in Russland habe Snowden keine Straftaten begangen

Zuvor hatte Aussenminister Sergej Lawrow eine Beteiligung an der Flucht Snowdens aus Hongkong zurückgewiesen. Snowden habe die russische Staatsgrenze offiziell nie überschritten. Im Transitbereich des Flughafens Moskau-Scheremetjewo ist kein russisches Einreisevisum nötig.

In Moskau war die Information gestreut worden, Snowden wolle über Kuba nach Ecuador reisen, wo er Asyl beantragt hat. Die Enthüllungsplattform Wikileaks, die Snowden unterstützt bei seiner Flucht vor den US-Behörden, hatte erklärt, dass der IT-Experte in Sicherheit sei.

AFP

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