Zum Hauptinhalt springen

Ölsüchtiges China

Die Gier der Chinesen nach fossilen Energieträgern scheint unersättlich. Anfang Juni löste China die USA als grössten Energieverbraucher ab. Nun hat das Land ein Auge auf irakische Ölvorkommen geworfen.

Halten Ausschau nach Öl: Eine Ölplattform in Bohai Bay in China am 15. Juli.
Halten Ausschau nach Öl: Eine Ölplattform in Bohai Bay in China am 15. Juli.
Keystone

In einem Bericht des Ölkonzerns BP hiess es, die chinesische Wirtschaft habe im Jahr 2010 für 20,3 Prozent des globalen Bedarfs gestanden, während die Vereinigten Staaten mit 19 Prozent lediglich den zweiten Platz belegt hätten.

Demnach sei der Energieverbrauch Chinas im vergangenen Jahr um 11,2 Prozent gestiegen, in den USA sei hingegen nur ein Anstieg um 3,7 Prozent zu verzeichnen gewesen, hiess es in dem Bericht des britischen Unternehmens weiter. Der globale Konsum habe angesichts des Energiehungers der neuen Wirtschaftsmacht in Asien mit 5,6 Prozent den grössten Zuwachs seit dem Jahr 1973 erlebt.

Allein der weltweite Verbrauch von Kohle ging der BP-Studie zufolge im Jahr 2010 zu 48 Prozent auf China zurück. Beim Ölverbrauch hingegen hätten die USA mit 21 Prozent des globalen Konsums weiterhin an erster Stelle gelegen.

China sichert sich Zugang zu Öl im Zentralirak

Kein Wunder also, dass Peking auch ein Auge auf die irakischen Ölvorkommen geworfen hat. Die staatliche China National Petroleum Corporation begann im vergangenen Monat mit der Förderung von Öl aus dem Al-Dahab-Ölfeld im Zentralirak. Es ist das erste grosse Projekt zur Erschliessung eines Ölfelds seit zwei Jahrzehnten im Irak. Dort sollen nach Angaben der Tageszeitung «China Daily» in den ersten drei Jahren 25'000 Barrel am Tag gefördert werden. Insgesamt soll das Feld eine Milliarde Barrel enthalten.

Der Vertrag wurde 2008 abgeschlossen und war der erste Abschluss seiner Art seit dem Sturz der Regierung von Saddam Hussein 2003. Nach Angaben der irakischen Regierung erliess China dem Irak im vergangenen Jahr 80 Prozent der in China verbuchten Staatsschulden. Zu Zeiten von Saddam Hussein hatten sich Schulden in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar (heute sieben Milliarden Franken) angehäuft.

Bereits seit längerem hat China die Region im Blick. Schon Ende 2007 unterschrieben Peking und Teheran einen Vertrag zur gemeinsamen Erschliessung eines neuen Ölfelds im Südwestiran. Und selbst wer China vermeintlich zu nahe getreten ist, muss nicht zwangsläufig um gute Geschäfte mit Peking fürchten. So unterzeichnete das staatliche chinesische Unternehmen Oilfield Services Anfang Dezember vergangenen Jahres trotz aller Proteste gegen die Vergabe des Friedensnobelpreises an den Dissidenten Liu Xiaobo einen Vertrag mit dem norwegischen Konzern Statoil über Ölbohrungen in der Nordsee. Bereits im Sommer werde eine neue Bohrinsel ihre Arbeit aufnehmen, hiess es damals. Statoil erklärte, durch das Abkommen bleibe die Ölförderung stabil und Bohrinseln würden modernisiert.

Chinas Durst nach Öl wird auch von Venezuela gestillt

Aber auch aus Lateinamerika bezieht China riesige Mengen Öl. So erklärte der venezolanische Ölminister Rafael Ramirez im April vergangenen Jahres, sein Land wolle einen neuen 20-Milliarden-Dollar-Kredit von China mit Öl zurückzahlen. Über zehn Jahre lang solle China täglich 100'000 Barrel Rohöl erhalten, erklärte Ölminister Ramirez. Das südamerikanische Förderland sendete bereits zu diesem Zeitpunkt jeden Tag 400'000 Barrel Öl in die energiehungrige Volksrepublik, 100'000 davon dienen zur Tilgung eines Kredits in Höhe von acht Milliarden Dollar.

Nicht ganz so fern liegt Kasachstan, das bereits vor gut sechs Jahren eine Pipeline in Betrieb nahm, über die China mit jährlich 140 Millionen Barrel Öl versorgt werden sollte. Dabei handelte sich um die erste Pipeline der ehemaligen Sowjetrepublik, die nicht über Russland führt.

dapd/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch