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Obama patzt in Burma

Bei seinem Besuch in Rangun hat der US-Präsident den Staatschef falsch betitelt, den Namen von Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi abgeändert und diese mit amerikanischem Überschwang erschreckt.

Schon hier scheint es der Friedensnobelpreisträgerin unwohl zu sein: US-Präsident Barack Obama umarmt Aung San Suu Kyi. (19. November 2012)
Schon hier scheint es der Friedensnobelpreisträgerin unwohl zu sein: US-Präsident Barack Obama umarmt Aung San Suu Kyi. (19. November 2012)
Reuters
Nun folgt aber noch mehr: Obama drückt...
Nun folgt aber noch mehr: Obama drückt...
Reuters
...der burmesischen Oppositionsführerin Küsschen auf die Wange. (19. November 2012)
...der burmesischen Oppositionsführerin Küsschen auf die Wange. (19. November 2012)
Reuters
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Mit diesen Patzer hätte es der frühere US-Präsident George W. Bush auf die Frontseite der «New York Times» gebracht, schreibt die Nachrichtenagentur AP über den Auftritt von US-Präsident Barack Obama bei seinem historischen Besuch in Burma. Mit Obama waren die Zeitungen offensichtlich nachsichtiger.

Dabei unterliefen dem aktuellen US-Präsidenten gleich mehrere Missgeschicke. Als erstes setzte er sich beim Treffen mit dem burmesischen Staatschef Thein Sein in der früheren Hauptstadt Rangun in die Nesseln: Als sich die beiden vor Medienvertretern äusserten, bezeichnete Obama seinen Gastgeber als «President Sein», eine Abkürzung, die in Burma Vertrautheit, wenn nicht sogar Zuneigung signalisiert und die die meisten Burmesen erschaudern lässt, wie der Korrespondent der Nachrichtenagentur AP bemerkt.

Falschen Namen gegeben

Schlicht einen teilweise falschen Namen nannte Obama, als er mit Aung San Suu Kyi auf einer Bühne stand. Laut AP sagte der amerikanische Präsident wiederholt Aung YanSuu Kyi, ohne dass ihn die Friedensnobelpreisträgerin korrigiert hätte.

Unglücklich waren schliesslich auch Obamas typisch amerikanische Umarmung und die folgenden Küsschen, mit denen er die langjährige Oppositionsführerin bedachte. Die «Bangkok Post» wertet die Umarmung zwar als «hug of admiration», als Umarmung aus Bewunderung. Aung San Suu Kyi scheint dabei aber unwohl zu sein (siehe Bildstrecke).

Offensichtlich wurde Barack Obama entweder von seinen Beratern nicht richtig gebrieft – oder setzte sich schlicht über die Ratschläge hinweg. In Asien sind Küsse und Umarmungen – und seien sie noch so platonischer Natur – in der Öffentlichkeit verpönt. Die «International Business Times» erinnert an den Fall von Richard Gere, der eine indische Schauspielerin auf die Wange küsste und damit in Indien einen Sturm der Entrüstung auslöste.

Zurückweichen «typisch»

Wie in Indien ist öffentliches Küssen auch in Burma nicht im Geringsten üblich, sagte Michael Aung-Thwin, ein Professor für Asienstudien an der Universität von Hawaii gegenüber der «International Business Times». «Suu Kyis instinktives Zurückweichen ist typisch für die meisten burmesischen Frauen, sogar für jene, die im Westen aufgewachsen sind oder lange dort gelebt haben», sagte Aung-Thwin weiter.

Anders als beim Fall von Richard Gere in Indien ist es in Burma bisher zu keiner grossen öffentlichen Empörung gekommen. Aung-Thwin zeigt sich nicht erstaunt, dass die Menschen in Burma anders reagieren. «Sie sehen Obama dies nach, und zwar nicht nur weil er Staatsoberhaupt der USA ist. Sie gestehen so etwas jedem Ausländer zu, der die lokalen Bräuche nicht versteht.»

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