Mit dem Einweg-Ticket in den Tod

Ein Bus bringt regelmässig Menschen vom Libanon nach Syrien zum IS. Die Passagiere müssen sich auf Bomben und Heckenschützen gefasst machen.

In 24 Stunden zum IS: Passagiere reisen mit dem Bus nach Syrien.

In 24 Stunden zum IS: Passagiere reisen mit dem Bus nach Syrien.

(Bild: Screenshot CNN)

Der Bus sieht auf den ersten Blick aus wie jeder andere. Doch es ist kein gewöhnlicher Bus, denn in der Frontscheibe klaffen Risse. Er fährt die gefährlichste Strecke der Welt – von Beirut direkt zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien. Und die Menschen zahlen, um mitzufahren. Viele von ihnen lösen ein Einweg-Ticket – ob sie je wieder lebend zurückkommen, ist ungewiss.

Die Reise dauert ganze 24 Stunden und führt von Beirut zuerst nach Damaskus und Palmyra, bevor die Reise in der vom IS eingenommenen syrischen Stadt Raqqa endet. Der Bus fährt die Strecke schon seit Jahren und sei bis auf den letzten Platz besetzt, berichtet ein CNN-Reporter, der mit den Passagieren gesprochen hat.

Raucher parfümieren ihre Finger

Vor der Abfahrt werden die letzten Zigaretten geraucht. Nicht aus Nervosität vor der Reise, sondern weil der IS das Rauchen verboten hat. Auch Musik ist nicht erlaubt. Brechen sie die Regeln, könnten sie ausgepeitscht oder im schlimmsten Fall sogar hingerichtet werden. Auf der Reise gibt es denn auch ein Ritual: Raucher werfen ihre Zigarette während der Fahrt aus dem Fenster und benetzen ihre Finger mit Parfüm. Lieder, Fotos und Kontakte werden vom Handy gelöscht.

Auch Frauen reisen mit. Sie müssen sich allerdings an Kleidervorschriften halten. Ausserdem müssen sie «in Begleitung eines männlichen Verwandten sein», sagt der Reise-Organisator gegenüber CNN. Männer müssen ihre Bärte wachsen lassen und dürfen keine zu engen Hosen tragen.

Bus könnte von Bombe getroffen werden

Doch nicht alle wollen sich den Terroristen anschliessen: Unter den Passagieren ist auch eine Gruppe, die den Leichnam eines Angehörigen dabei hat und diesen in der Heimat bestatten will.

Die Reise birgt so einige Gefahren, wie der Organisator erzählt: «Ein Kampfjet könnte eine Bombe in der Nähe des Busses fallen lassen. Das ist normal!» Manchmal würden die Fahrzeuge aber auch von Heckenschützen getroffen – der Fahrer versuche in solchen Fällen einfach weiterzufahren.

Kehrt der Bus später von Syrien in den Libanon zurück, ist er meist leer. Denn der IS lässt nur selten Menschen wieder ausreisen.

pat

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