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Krokodilstränen der Präsidentin

Die Fährunglück in Südkorea könnte der südkoreanischen Staatschefin einen wahren Proteststurm bescheren.

Der Kapitän der Fähre Sewol hat geschlampt und damit den Tod von etwa 300 meist jungen Koreanern verursacht. Offenbar waren er und seine Crew überfordert. Sicher hat er, als die Fähre kenterte, sich selbst und seine Steuerleute in Sicherheit gebracht, die Passagiere liess er im Stich. Zuvor hatte die Reederei das Schiff auf Kosten der Sicherheit so umgebaut, dass sie damit mehr Profit machen konnte. Auch das hat zur Fährkatastrophe beigetragen. Das ist vermutlich kriminell, politisch ist es nicht.

Anderseits ist es durchaus politisch, wenn Staatspräsidentin Park Geun-hye der polizeilichen Unter­suchung vorgreift und den Kapitän des Mordes bezichtigt. Auch für ihn muss die Unschuldsver­mutung gelten. Dabei war Parks Bemerkung kein Ausdruck einer spontanen Entrüstung – die Präsidentin zeigt ­ohnehin nie Gefühle –, sondern eine sorgfältig ­formulierte Erklärung, wie die TV-Bilder verrieten.

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