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Indisches Unterhaus beschliesst drastische Strafen für Vergewaltigung

Mindestens 20 Jahre Haft bei Gruppenvergewaltigung und beim Tod des Opfers die Todesstrafe: Nach einer Marathondebatte sprachen sich die Abgeordneten des Unterhauses für eine Verschärfung des Gesetzes aus.

Die Bevölkerung fordert von den indischen Politikern ein rasches Handeln: Ein Demonstrant kämpft auf der Strasse für die Todesstrafe für Vergewaltiger. (Archivbild)
Die Bevölkerung fordert von den indischen Politikern ein rasches Handeln: Ein Demonstrant kämpft auf der Strasse für die Todesstrafe für Vergewaltiger. (Archivbild)
AFP

Nach den jüngsten Vergewaltigungsfällen in Indien hat das Unterhaus härtere Strafen gegen Vergewaltigung beschlossen. Die Abgeordneten stimmten heute in Neu Delhi nach siebenstündiger Debatte für einen entsprechenden Gesetzesvorschlag der Regierung. Demnach soll Gruppenvergewaltigung künftig mit mindestens 20 Jahren Gefängnis, unter Umständen aber auch mit lebenslanger Haft bestraft werden.

Fällt ein Vergewaltigungsopfer ins Koma oder stirbt, droht Tätern die Todesstrafe. Stalking, sexuelle Belästigung, Voyeurismus und Säureattacken sollen ebenfalls hart bestraft werden. Über das Gesetz muss nun noch das Oberhaus abstimmen.

Aus Angst aus dem Hotelzimmer gesprungen

Bislang wird Vergewaltigung in Indien mit sieben bis zehn Jahren Haft bestraft. In dem Land gibt es seit Wochen eine grosse gesellschaftliche Diskussion über Vergewaltigungen von Frauen, in deren Verlauf schärfere Strafen gefordert wurden. Auslöser war die tödliche Gruppenvergewaltigung einer Studentin im vergangenen Dezember in Neu Delhi. Die brutale Tat löste weltweit Entsetzen aus.

Die Berichte über Vergewaltigungsfälle in Indien reissen seither nicht ab. In der Nacht zum Samstag vergewaltigten mehrere Dorfbewohner eine Schweizer Touristin im zentralen Bundesstaat Madhya Pradesh vor den Augen ihres gefesselten Ehemanns.

In der Nacht auf heute sprang eine britische Touristin aus Angst vor einem sexuellen Übergriff aus dem Fenster ihres Hotels in der Stadt Agra, wo das berühmte Taj Mahal steht. Nach Polizeiangaben sprang sie aus dem ersten Stock, als zwei Männer mitten in der Nacht versuchten, in ihr Zimmer einzudringen. Die Frau wurde demnach mit Beinverletzungen in ein Krankenhaus von Agra gebracht.

Schlampereivorwürfe an die Polizei

Laut einer Polizeibeamtin hatte die junge Frau das Drängen des Hotelchefs zurückgewiesen, sich von ihm massieren zu lassen. Um 4 Uhr morgens sei der Hotelchef in Begleitung eines weiteren Manns zurückgekehrt und habe versucht, sich mit einem Schlüssel Zugang zu ihrem Zimmer zu verschaffen. Daraufhin sei die Frau zum Fenster gerannt und ins Freie gesprungen.

Der Hotelchef wurde laut Polizei wegen Belästigung festgenommen. Er sollte rasch einem Richter vorgeführt werden. Ein Mitarbeiter des Hotels sagte, der Manager habe die Britin lediglich wecken wollen, damit sie ihren Zug am frühen Morgen erwischen könne. Kritiker werfen Polizei und Justiz vor, viele Vergewaltigungsfälle gar nicht erst aufzunehmen oder rasch einzustellen.

AFP/rbi

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