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Geliebte von Kim Jong-il zieht die Fäden

Die Frau an der Seite Kim Jong-ils ist seine frühere Sekretärin Kim Ok. Sie pflegt den Geliebten Führer seit dessen Hirnschlag - und mischt sich nun in die Nachfolgeregelung ein.

Kim Ok kontrolliere den Zugang zu Kim Jong-il, der sich von seinem Hirnschlag nur langsam erhole, schreiben Zeitungen in Südkorea und Japan. Sie soll auch Dokumente für ihn unterzeichnen. Die vierte Frau des nordkoreanischen Diktators wird sogar als mögliche Nachfolgerin gehandelt. Allerdings sei die langjährige Assistentin des Geliebten Führers, schrieb Andrei Lankov, einer der besten Kenner Nordkoreas, eine «totale Unbekannte».

Die 44-Jährige hat an der Uni Pyongyang Klavier und Tanz studiert. Seit den 80er-Jahren ist sie Kim Jong-ils persönliche Sekretärin. Und wurde allmählich auch seine Geliebte. Nachdem Kims dritte Frau Ko Young-hee 2004 gestorben war, berichteten südkoreanische Zeitungen 2006, Kim habe sie geheiratet. Als er 2006 in China Präsident Hu Jintao traf, war Kim Ok an seiner Seite. Sie soll auch für die Verwaltung seiner schwarzen Kassen im Ausland zuständig sein.

Unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichten japanische Medien, Kim Ok bekleide den Rang einer «Direktorin der Nationalen Verteidigungskommission», des wichtigsten Machtzentrums Nordkoreas. Deren Vorsitz hält Kim Jong-il selbst. Schon im Jahre 2000 hatte sie in dieser Funktion Vize-Marschall Cho Myung-rok zu Verhandlungen in die USA begleitet.

Kim Jong-il erlitt am 14. August einen Hirnschlag, das gilt inzwischen als bestätigt. Wie schwer dessen Folgen sind, weiss man nicht. Kim dürfte zumindest noch behindert sein. Fünf chinesische Militärärzte behandeln ihn. Bisher hatte er sich von französischen Ärzten behandeln lassen, aber für diesen Notfall war die Anreise zu lang, meint Art Brown, Ex-Ostasien-Chef der CIA. Gefragt, woher er das wisse, deutete Brown an, vielleicht von den Ärzten - nicht unbedingt von ihnen selbst, aber aus deren Umfeld. Ausserdem beobachte man Bewegungen und höre ab.

Schon vor Kims Schlaganfall hatte die Website «Daily NK» spekuliert, Kim Ok mische sich in die Nachfolgeregelung ein. Weil der Altersunterschied zwischen Kim Jong-ils ältestem Sohn Jong Nam (37) und ihr als Stiefmutter zu gering sei, setze sie auf den Jüngsten, den 24-Jährigen Kim Jong-woon. Dieser leidet freilich an hohem Blutdruck und Diabetes wie sein Vater. Andere Quellen halten Kims Schwager Jang Song-taek für wahrscheinlicher. Offenbar hat Kim Jong-il die Nachfolge nicht geregelt, vor allem keinen seiner drei Söhne nachgezogen. Er selbst war 15 Jahre auf die Machtübernahme vorbereitet worden.

Gerangel um die Macht

In Nordkorea gibt es nur eine Loyalität, die gehört dem Geliebten Führer. Fast alle Experten erwarten daher, nach Kims Tod setze ein Gerangel um Macht und Privilegien ein. Daraus dürfte eine kollektive Führung hervorgehen, in der alle Gruppen vertreten sind und der mehrere Generäle angehören. Generäle akzeptierten es schlecht, wenn einer von ihnen den andern vorgesetzt würde, meint Ex-CIA-Mann Brown. Er halte es daher für denkbar, dass eine solche Junta sich auf eine Galionsfigur als Staatsoberhaupt einige. So kommt Kim Ok als Nachfolgerin ins Spiel, als Kompromiss. Kompetenter als die Söhne dürfte sie allemal sein. Obwohl auch das, ja überhaupt fast alles, wie Andrei Lankov stets betont, Spekulation ist. Kim Jong-il dürfte Kim Ok kaum ernennen: Er hat dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung beim Gipfel 2002 gesagt, Frauen sollten waschen und kochen.

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