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«Es war wie eine Kriegszone»

Die meisten der rund 600'000 Textilarbeiter in Kambodscha streiken. Sie fordern eine Verdoppelung des Mindestlohns von 74 Franken pro Monat. Die Polizei räumte heute ein Protestcamp gewaltsam.

mw/rbi
Gewaltsame Räumung eines Protestcamps: Sicherheitskräfte schlagen Mönche in die Flucht. (4. Januar 2014)
Gewaltsame Räumung eines Protestcamps: Sicherheitskräfte schlagen Mönche in die Flucht. (4. Januar 2014)
Keystone
Zelte, Hütten und Bühnen wurden eingerissen: Sicherheitskräfte bei der Räumung des Protestlagers. (4. Januar 2014)
Zelte, Hütten und Bühnen wurden eingerissen: Sicherheitskräfte bei der Räumung des Protestlagers. (4. Januar 2014)
Reuters
Auf der Flucht vor den Bewaffneten Sicherheitskräften: Mönche und andere Demonstranten in Phnom Penh. (4. Januar 2014)
Auf der Flucht vor den Bewaffneten Sicherheitskräften: Mönche und andere Demonstranten in Phnom Penh. (4. Januar 2014)
AP Photo/Heng Sinith
Mehrere hundert Textilarbeiter protestieren für einen höheren Mindestlohn: Textilarbeiterin in Phnom Penh. (3. Januar 2014)
Mehrere hundert Textilarbeiter protestieren für einen höheren Mindestlohn: Textilarbeiterin in Phnom Penh. (3. Januar 2014)
Samrang Pring, Reuters
In Phnom Penhs Fabriken produzieren Firmen wie H&M und Nike: Kämpfe zwischen Arbeitern und der Polizei. (3. Januar 2014)
In Phnom Penhs Fabriken produzieren Firmen wie H&M und Nike: Kämpfe zwischen Arbeitern und der Polizei. (3. Januar 2014)
Samrang Pring, Reuters
Die «schlimmste staatliche Gewalt gegen Zivilisten in Kambodscha seit 15 Jahren» : Eine Gruppe von Mönchen nimmt an den Protesten der Textilarbeiter teil. (2. Januar 2014)
Die «schlimmste staatliche Gewalt gegen Zivilisten in Kambodscha seit 15 Jahren» : Eine Gruppe von Mönchen nimmt an den Protesten der Textilarbeiter teil. (2. Januar 2014)
AP Photo/Heng Sinith
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Nach tödlichen Zusammenstössen zwischen streikenden Textilarbeitern und der Polizei in Kambodscha haben die Behörden heute ein Protestlager geräumt. Unter Einsatz von Tränengas gingen die Einsatzkräfte gegen die Streikenden in der Hauptstadt Phnom Penh vor.

Wachleute sowie Angestellte der Hauptstadt Phnom Penh setzten Eisenstangen und Äxte ein, um Zelte, Hütten und eine Bühne einzureissen, die dort seit einigen Wochen gestanden hatten. Die Oppositionspolitikerin Mu Sochua sagte, das Lager sei gegen 10.30 Ortszeit von der Polizei und Schlägertrupps umstellt worden.

«Es waren angeheuerte Schläger und Spezialeinsatzkräfte mit Metallrohren und Knüppeln. Ihr Ziel war, die Leute zu Krüppeln zu schlagen. Unsere Anhänger wurden völlig zerstreut. Es war wie eine Kriegszone», sagte sie.

74 Franken pro Monat

Die Proteste in dem südostasiatischen Land dauern seit mehr als einer Woche an. Die Textilarbeiter verlangen höhere Löhne und haben sich mit Oppositionellen verbündet, die der Regierung Wahlbetrug vorwerfen.

Nach Gewerkschaftsangaben sind die meisten der 600'000 Textilarbeiter im Streik oder wurden von den Fabrikanten wegen drohender Streiks ausgesperrt. Der Grossteil der Beschäftigten in diesem für das südostasiatische Land wichtigen Exportsektor sind Frauen. Die meisten Fabriken sind jetzt geschlossen.

Die Forderung lautet auf eine Verdoppelung des Mindestlohns von zur Zeit umgerechnet nur knapp 74 Franken im Monat. Die Regierung hat nur 25 Prozent angeboten.

Bis zu fünf Tote

Gestern eskalierte die Lage, als Militärpolizisten in einem Industriegebiet auf demonstrierende Arbeiter schossen. Nach Regierungsangaben wurden vier Menschen getötet, laut Menschenrechtlern fünf. Am Donnerstag waren 15 Arbeiter und Aktivisten festgenommen worden.

In dem Komplex wird auch Bekleidung für Firmen wie Adidas oder Puma hergestellt. Der Chef des Oppositionsbündnisses CNRP, Sam Rainsy, verurteilte die Gewalt und verlangte gründliche Ermittlungen.

Kritik aus dem In- und Ausland

Auch aus dem Ausland kommt Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte. «Es ist eine Tragödie, wenn streikende Arbeiter beim Eintreten für ihre Rechte geschlagen und getötet werden», sagte etwa der deutsche Aussenminister Frank-Walther Steinmeier.

Der Konflikt sei für Deutschland relevant, weil in Kambodscha hergestellte Produkte auch in der Bundesrepublik gekauft und täglich genutzt würden. Adidas erklärte, das Unternehmen verfolge die Ereignisse mit Besorgnis.

«Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Zulieferern in Kambodscha und hoffen auf eine friedliche Lösung der Situation.» Eine Puma-Sprecherin äusserte sich nicht zu den Arbeitskämpfen. Nach Angaben des Konzernes ruht zurzeit der Betrieb in einigen Werken in der Region Phnom Penh.

(SDA)

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