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Der IS rekrutiert ganze Stämme

Die Terrormiliz Islamischer Staat sammelt im Irak und in Afghanistan neue Anhänger. Sie wollen gemeinsam gegen die Regierungstruppen und die Taliban kämpfen.

Treueeid auf Baghdadi: Sunnitische Stammesführer sagen dem IS ihre bedingungslose Unterstützung zu.
Treueeid auf Baghdadi: Sunnitische Stammesführer sagen dem IS ihre bedingungslose Unterstützung zu.
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Der IS ist nicht nur militärisch auf dem Vormarsch, er feiert auch einen wichtigen politischen Erfolg. Dutzende sunnitische Stammesführer im Irak haben dem selbsternannten Kalifen des Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi, in den vergangenen Tagen ihre Treue geschworen, wie «Spiegel online»berichtet.

Der IS hat ein Video veröffentlicht, das rund 50 Vertreter sunnitischer Grossfamilien beim Treueeid von vergangenem Samstag im irakischen Ramadi zeigen soll. Bereits am Mittwoch fand ein zweites Treffen in Falludscha statt. Auch dort schworen zahlreiche irakische Stammesführer auf al-Baghdadi. Grund für die Unterstützung des IS sei die massive iranische Unterstützung für die Regierung im Irak, erklärt Scheich Ahmed al-Jumaili, Sprecher der Stammesversammlung, im Video.

Kampf gegen Schiiten

«Nach mehreren Treffen und Diskussionen zwischen den Stammesältesten und Ranghöchsten von Falludscha haben wir die einstimmige Entscheidung getroffen, uns an die Seite des «Islamischen Staates» zu stellen», so Jumaili. Und weiter: «Er ist die einzige Macht, die sich der Regierung der Safawiden und ihrer Miliz entgegenstemmt.»

Die Safawiden regierten in Persien vom 16. bis 18. Jahrhundert. Sie führte dort den schiitischen Islam als Staatsreligion ein. Der IS wirft der Regierung in Teheran und Bagdad vor, sie wolle den Irak schiitisieren.

Stammesführer Jumaili kündigt an, «Hunderte junge Männer» seien bereit, an der Seite des IS zu kämpfen. «Und ihre Zahl wächst», behauptet er.

IS auch in Afghanistan auf dem Vormarsch

Es ist jedoch nicht klar, ob die Stämme freiwillig zum IS übergelaufen sind. Während der Versammlung in Falludscha tötete ein IS-Terrorist einen gefangen genommenen irakischen Soldaten vor aller Augen. Er soll ein Sunnit gewesen sein, wie «Spiegel online» schreibt. Die öffentliche Hinrichtung dürfte als Warnung verstanden werden, dass auch ja keiner wieder die Seiten wechselt.

Der IS ist auch in Afghanistan auf dem Vormarsch und dringt vermehrt in Gebiete der Taliban ein, wie die «New York Times» berichtet. In einigen Regionen hat der IS die Taliban gar als dominierende aufständische Macht abgelöst. Zahlreiche Taliban-Anhänger haben zum «Islamischen Staat» gewechselt.

Doch nicht nur das: Der IS kämpft gegen die Taliban. Erst am Mittwoch sollen Jihadisten des Islamischen Staats zehn Taliban-Kämpfer gefangen genommen und später enthauptet haben, sagt ein Sprecher der afghanischen Armee, der für die Region zuständig ist. Auch wenn die Terror-Miliz IS eigentlich gegen den Westen kämpft, sieht sie dennoch eine Bedrohung in rivalisierenden islamistischen Gruppierungen.

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