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Das Land, das 2,4 Milliarden Augen scannen lässt

Indien legt eine gigantische Datenbank an: Jeder Einwohner erhält einen biometrischen Fingerabdruck. Das Projekt soll 400 Millionen Inder aus der Armut holen.

Ernster Blick in die Kamera: Eine Bewohnerin im indischen Chellur lässt sich die Iris scannen. (22. August)
Ernster Blick in die Kamera: Eine Bewohnerin im indischen Chellur lässt sich die Iris scannen. (22. August)
AFP
Grosse Augen für ein grosses Projekt: Inder beim Scannen der Iris.
Grosse Augen für ein grosses Projekt: Inder beim Scannen der Iris.
AFP
Ernster Blick: Eine Frau lässt das Prozedere über sich ergehen.
Ernster Blick: Eine Frau lässt das Prozedere über sich ergehen.
AFP
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Es ist ein wahrhaftig gewaltiger Akt, einer, der nach viel Bürokratie tönt: Indien will seine 1,2 Milliarden grosse Bevölkerung biometrisch vermessen und damit jenem Problem den Kampf ansagen, für welches das Land bekannt ist: die Bürokratie. Jede Person im Land soll eine 12-stellige digitale Nummer erhalten, was die Verwaltung künftig entlasten soll. Ein Scanner erfasst die Fingerabdrücke, die individuelle Beschaffenheit der Iris wird in eine Datenbank eingelesen. Name, Adresse und Geburtsdatum werden ebenfalls erfasst – und plötzlich haben unzählige Menschen in Indien, deren Existenz bis anhin in keinem einzigen Dokument festgehalten war, eine Identität.

Gemäss der «New York Times» soll das Projekt den Indern Zugang zu einem besseren Leben garantieren: Wer beweisen kann, dass er tatsächlich existiert, hat Zugang zu Sozialleistungen, kann ein Bankkonto eröffnen und auch weit von seinem Heimatdorf entfernt ein Handy kaufen. Heute ist das alles noch ein bisschen schwierig: Die meisten Inder sind gefangen in einem komplexen bürokratischen System, das sich auf ihre Heimatstadt beschränkt. Das erschwert die Mobilität und erhöht die Korruption: Das einfache Volk ist oft stark abhängig vom guten Willen der lokalen Behörden, und Sozialleistungen versanden oft, weil das eine Amt nicht mit dem anderen kommuniziert.

Eine Strasse, die den Bürger mit dem Staat vernetzt

Mit dem neuen biometrischen Datennetz soll sich dies schlagartig ändern: Korrupte lokale Beamte haben es schwieriger, unbescholtenen Bürgern die Rente zu stehlen. Und die Ämter können besser untereinander Daten austauschen. Innerhalb von acht Sekunden kann ein Bürger identifiziert werden, egal, wo er sich gerade befindet. «Was wir hier schaffen, ist so wichtig wie der Bau einer Strasse», sagt Nandan M. Nilekani, der milliardenschwere Software-Mogul, der die Datenbank im Auftrag der Regierung aufbaut. «Es ist eine Strasse, die jedes Individuum mit dem Staat verbindet.»

Die Technologie, glauben die Befürworter des Projekts, könne unzählige Probleme im Land lösen und vor allem dazu beitragen, dass zahlreiche Menschen den Weg aus der Armut finden, weil ihnen der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern erst durch ihren elektronischen Fingerabdruck ermöglicht wird. Bisherige Versuche, die rund 400 Millionen ärmsten Inder aus der Armut zu holen, waren an der schwerfälligen indischen Bürokratie gescheitert: Das gesprochene Geld erreichte den Zielort häufig nicht. Die Kritik am Technologie-Projekt – etwa die Angst vor dem Missbrauch der digitalen Daten – ist gemäss der «New York Times» deshalb auffällig leise.

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