Zum Hauptinhalt springen

Chinas Fleischhunger leert die Mais-Silos

Früher zählte China zu den grössten Maisexporteuren der Welt. Heute kauft das Land tonnenweise Getreide ein und verfüttert es Tieren – mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft.

miw
Wird in China immer mehr nachgefragt: Mais, hier eine Frau in der Provinz Shanxi beim Stapeln von Kolben.
Wird in China immer mehr nachgefragt: Mais, hier eine Frau in der Provinz Shanxi beim Stapeln von Kolben.
Keystone

China wächst und hat Hunger. Einst selbst einer der grössten Maisexporteure kauft Peking nun in einem noch nie da gewesenen Geschäft 900'000 Tonnen Mais in den USA ein. Denn mittlerweile tut sich das Reich der Mitte schwer, mit der wachsenden Getreidenachfrage Schritt zu halten.

Der wachsende Wohlstand treibt die Nachfrage nach Fleisch an – und Mais ist das Hauptfuttermittel. Gestern kündigte das US-Landwirtschaftsministerium das Maisgeschäft an, das durchgeführt wird, obwohl China in diesem Jahr eine Rekordernte erwartet. Im vergangenen Jahr wurden in China laut Ministerium etwa 160 Millionen Tonnen Mais verbraucht.

Die Reserven schrumpfen

Der Maisimport sei notwendig, um die schwindenden Maisreserven aufzufüllen, sagt Hanver Li, Vorstandsvorsitzender des Marktforschungsunternehmens «Ja Intelligence». «Chinas Ernte ist gestiegen, aber das wird gerade mal die inländische Nachfrage befriedigen, während die Reserven schrumpfen. Deshalb muss China Mais importieren, um seine Vorräte aufzufüllen», sagt er.

«Langfristig sollte das einen ziemlich grossen Einfluss auf die weltweiten Preise für Mais haben», sagt Li. An der Warenterminbörse in Chicago legte der Maispreis in den vergangenen zwei Jahren um 70 Prozent zu, auch wenn nach den Rekordernten im Juni keine neuen Preisrekorde aufgestellt wurden.

Jährlicher Import von 15 Millionen Tonnen vorhergesagt

Li schätzt, dass China in den kommenden zwölf Monaten zwischen sieben und zehn Millionen Tonnen Mais importieren wird. Bis 2015 rechnet er mit einer jährlichen Einfuhr von 15 Millionen Tonnen. Lis Vorhersage deckt sich mit der Schätzung des US-Getreiderats, der für das Anfang Oktober begonnene Jahr eine Maiseinfuhr Chinas zwischen fünf und zehn Millionen Tonnen vorhersagt.

Das US-Landwirtschaftsministerium geht in einer diese Woche veröffentlichten Einschätzung allerdings von einer deutlich niedrigeren Importmenge Chinas aus. Zwischen September dieses Jahres und August 2012 werde China wahrscheinlich zwei Millionen Tonnen Mais einführen, schätzt das Ministerium.

Seit zwei Jahren exportiert China nicht mehr

In den 90er Jahren war China noch einer der weltweit grössten Maisexporteure. Ab 2003 sanken die Exportraten und lagen 2009 bei null. Im vergangenen Jahr war China erstmals Nettoimporteur. In China werden rund 70 Prozent des Maises an Tiere verfüttert. Aus dem Rest werden Alkohol, Stärke oder andere Industrieprodukte hergestellt. Nur ein kleiner Teil wird direkt als Nahrung verzehrt.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch