China brandmarkt USA als «grössten Schurken unserer Zeit»

Gemäss Edward Snowden haben die USA auch chinesische Netzwerke im grossen Stil angezapft. Nun fordert China offiziell eine Erklärung von den USA.

In China geniesst Snowden grosse Unterstützung: Chinesin vor einem Plakat des Whistleblowers in Hongkong.

In China geniesst Snowden grosse Unterstützung: Chinesin vor einem Plakat des Whistleblowers in Hongkong.

(Bild: AFP)

Nach jüngsten Enthüllungen über US-Hackerangriffe auf chinesische Mobilfunkanbieter hat Pekings amtliche Nachrichtenagentur die USA als «grössten Schurken» in der IT-Spionage gebrandmarkt. In einem Kommentar von Xinhua war von «beunruhigenden Zeichen» die Rede. Die Enthüllungen zeigten, dass sich die USA, die sich lange als unschuldiges Opfer von Cyberattacken dargestellt hätten, als «grösster Schurke unserer Zeit» entpuppt hätten, hiess es bei Xinhua. In dem Kommentar wird betont, dass die USA formell die Auslieferung Snowdens beantragt hätten – ein Schritt, den Peking gutheissen müsste. Aber «Washington muss zunächst reinen Tisch machen. Es schuldet China und anderen Ländern, die es ausspioniert haben soll, eine Erklärung.» Washington müsse mit der Welt «die Reichweite, das Ausmass und die Absicht seiner geheimen Hackprogramme teilen».

Auch von offizieller Seite wird die Kritik geäussert: Die Regierung in Peking hat sich «ernsthaft besorgt» gezeigt. Die jüngsten Berichte bewiesen erneut, dass China Opfer von Cyberattacken der USA sei, sagte Aussenministeriumssprecherin Hua Chunying laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die US-Regierung sei um Stellungnahme gebeten worden.

Millionen SMS gesammelt

Die Hongkonger «Sunday Morning Post» hatte heute unter Berufung auf Snowden berichtet, die US-Regierung zapfe chinesische Mobilfunkanbieter an und habe schon Daten von Millionen SMS gesammelt. Wie der nach Hongkong geflüchtete frühere US-Geheimdienstmitarbeiter im Interview der Zeitung berichtete, gab es 2009 auch Angriffe auf Computer von Pacnet in Hongkong, die seither aber eingestellt wurden.

Pacnet betreibt eines der grössten Glasfasernetze im Asien-Pazifik-Raum und wickelt auch Internetverkehr mit den USA ab. Mit den Angriffen auf die renommierte Tsinghua-Universität in Peking nahm der Abhördienst eines der sechs grossen Netzwerke des Landes, das Bildungs- und Forschungsnetzwerk Cernet, ins Visier.

Laut Snowden umfassende Angriffe

Es war das erste Internet-Netzwerk in China und hat sich zum grössten Forschungsnetz entwickelt. Bei dem jüngsten Angriff im Januar seien allein an einem Tag mindestens 63 Computer und Server der Universität gehackt worden, berichtete Snowden. Er beschrieb die Angriffe als umfassend und intensiv.

Der Abhördienst NSA (National Security Agency) griff laut seinen Angaben auch Mobilfunkanbieter in China an, um SMS-Kurznachrichten abzufangen. Solche Kurznachrichten über Handy sind in China ein besonders beliebtes Kommunikationsmittel. 2012 wurden nach offiziellen Angaben fast 900 Milliarden SMS verschickt.

Zuvor hatte der Ex-Geheimdienstmitarbeiter bereits enthüllt, dass auch die chinesische Universität in Hongkong angegriffen worden sei, die die Zentrale des Internetverkehrs in der Hafenmetropole ist.

Die mutmasslichen US-Spähaktivitäten in China sind die dritte Affäre, die Snowden enthüllt. Er hatte im Mai den britischen «Guardian» und die «Washington Post» über das Programm Prism informiert, mit dem die NSA die Daten von Internetkonzernen wie Google und Facebook absaugt.

USA verlangen Auslieferung

Am Samstag dann hatte der «Guardian» unter Berufung auf Snowden über eine systematische Bespitzelung von Telefon-Internetnutzern durch den britischen Geheimdienst GCHQ berichtet. Der 30-jährige Ex-NSA-Mitarbeiter wird von den USA der Spionage beschuldigt und per Haftbefehl gesucht.

Gemäss am Freitag veröffentlichten Gerichtsakten werden dem 30-jährigen Snowden unter anderem Diebstahl von Regierungseigentum und der Verrat von Informationen über die Landesverteidigung vorgeworfen.

mrs/AFP/sda

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