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Blutbad in pakistanischer Moschee

Es ist der seit Monaten folgenschwerste Anschlag: Hunderte von Gläubigen waren in einer Moschee in Jamrud versammelt, als eine Bombe explodierte. Es gab mindestens 49 Tote und mehr als 100 Verletzte.

Wegen des Fastenmonats Ramadan kamen viele Menschen auch aus benachbarten Gemeinden in die zentrale Moschee: Verletzter nach dem Anschlag.
Wegen des Fastenmonats Ramadan kamen viele Menschen auch aus benachbarten Gemeinden in die zentrale Moschee: Verletzter nach dem Anschlag.
Keystone

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Moschee unmittelbar nach dem Freitagsgebet sind im Nordwesten Pakistans mindestens 49 Menschen getötet worden. Mehr als 100 Gläubige wurden verletzt, sagte Fazal Mehmood Shah von der Verwaltung des Bezirks Khyber.

Der Selbstmordattentäter habe sich in der Ortschaft Jamrud inmitten der Menschenmenge in die Luft gesprengt. Zunächst bekannte sich niemand zur Tat während des heiligen Fastenmonats Ramadan. Taliban-Gruppen haben in der Vergangenheit aber immer wieder Vergeltungsanschläge auf Moscheen verübt, wenn die örtliche Bevölkerung mit den Sicherheitskräften kooperierte. Auch Al-Kaida- Terroristen sind in der Region aktiv.

«Alle zusammengetragenen Beweise deuten auf einen Selbstmordanschlag hin», erklärte ein weiterer Mitarbeiter der Verwaltung, Fazal Kahan. Der Vizechef der Bezirksverwaltung, Khalid Mumtaz Kundi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Attentäter habe acht bis zehn Kilogramm Sprengstoff bei sich getragen.

Gebetsraum zerstört

Der Augenzeuge Gul Khan sagte der Nachrichtenagentur dpa per Telefon, zur Explosion sei es im grossen Gebetsraum der sunnitischen Moschee gekommen, in dem sich Hunderte Menschen aufhielten.

«Es waren viele Menschen da, weil derzeit der heilige Monat Ramadan ist und Leute von benachbarten Gegenden für das Freitagsgebet zu dieser zentralen Moschee kommen.» Der Gebetsraum sei schwer beschädigt worden. Auf Fernsehbildern war Blut auf dem Boden und an den Wänden des Gotteshauses zu sehen. Gebetskappen lagen herum.

Nach der Detonation sei Panik ausgebrochen, erklärte ein verletzter Zeuge, Saleem Khan. Als er hingefallen sei, seien im Tumult mehrere flüchtende Menschen auf ihn getreten. «Wer auch immer das während des heiligen Fastenmonats Ramadan getan hat, kann kein Muslim sein», erklärte er der Agentur AP aus seinem Krankenbett in einer Klinik in Peshawar.

Halbautonomes Stammesgebiet

In den vergangenen vier Jahren kamen bei Anschlägen und Bombenexplosionen in Pakistan mehr als 4500 Menschen ums Leben. In jüngster Zeit haben die Taliban und andere militante Gruppierungen verstärkt Moscheen ins Visier genommen.

Beim jüngsten Attentag handelte es sich offenbar um den schwersten Anschlag seit Mitte Juni, als bei zwei Bombenanschlägen in Peshawar rund 40 Menschen getötet worden waren. Die meisten der Angriffe gehen auf das Konto der Taliban und anderer mit der Terrororganisation al-Qaida verbündeter Gruppen.

In den vergangenen Monaten bezeichneten die Gruppen ihre Anschläge als Racheakte für den Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Dieser war am 2. Mai durch ein US-Spezialkommando in Pakistan getötet worden.

Armeeoffensive im Nachbarbezirk

Der Bezirk Khyber ist eines von sieben halbautonomen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan. Am Donnerstag hatte Armeechef Ashfaq Parvez Kayani zum Abschluss einer Offensive gegen Aufständische den benachbarten Bezirk Kurram besucht.

Die Zeitung «Dawn» berichtete am Freitag, seit Anfang Juli seien bei der Offensive mehr als 130 Extremisten getötet worden. Eine grosse Anzahl Aufständischer und ihre Anführer seien aber geflohen.

Im Stammesgebiet Süd-Waziristan wurden am Freitag bei einem US- Drohnenangriff nach Angaben aus Geheimdienstkreisen mindestens vier Menschen getötet. Demnach hat ein unbemanntes Flugzeug zwei Raketen auf ein Gebäude abgefeuert und das Haus im Dorf Sheen Warsak zerstört. Die Identität der Getöteten war unklar.

SDA/kpn

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