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Assad droht Frankreich

Im Falle eines Angriffs würde Frankreich zum Feind, sagt der syrische Machthaber Bashar al-Assad. Die Hizbollah könnte im Libanon stationierte französische Soldaten angreifen, befürchten Experten.

«Negative Auswirkungen»: Der syrische Machthaber Bashar al-Assad in Damaskus. (26. August 2013)
«Negative Auswirkungen»: Der syrische Machthaber Bashar al-Assad in Damaskus. (26. August 2013)
Sana, Reuters

Nicht erst seit den offenen Drohungen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gegen Frankreich sind die französischen Sicherheitsdienste alarmiert. Die Interessen des Hauptverbündeten der USA bei einem möglichen Militärschlag gegen Syrien gelten als mögliches Ziel für Vergeltungsaktionen Syriens oder seiner Verbündeten.

Im Gespräch mit der Zeitung «Le Figaro» stellte Assad nun klar: «Das französische Volk ist nicht unser Feind», aber im Falle eines Angriffs auf Syrien wäre der französische Staat der «Feind». Dies hätte «negative Auswirkungen» für französische Interessen zur Folge. Das Interview wurde heute auch im «Tages-Anzeiger» abgedruckt (online nicht verfügbar).

Hizbollah könnte Soldaten angreifen

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass sich Frankreich im Falle einer Militärintervention dem Risiko von Anschlägen vor allem in der Nahost-Region und insbesondere im Libanon ausgesetzt sähe. Die radikalislamische Hizbollah im Nachbarland Syriens, die bereits an der Seite Assads im syrischen Bürgerkrieg kämpft, könnte die im Libanon stationierten französischen Soldaten der UN-Mission UNIFIL angreifen. Frankreich ist mit 900 Soldaten einer der Hauptbeteiligten an der Blauhelmmission.

Der frühere Kommandeur der Polizei-Spezialeinheit GIGN, Frédéric Gallois, sieht Assads Aussagen im «Figaro» als «klare Anschlagsdrohung mit Autobomben gegen ein französisches Diplomatengebäude oder gegen einen UNIFIL-Konvoi». Auch für General Vincent Desportes ist etwa ein Raketen-Angriff auf das französische UNIFIL-Kontingent ein «grosses Risiko». Die Antwort auf Luftangriffe gegen Syrien unter französischer Beteiligung könnte «umgehend und einfach» erfolgen. Eine solche Operation ist nach Einschätzung des früheren Leiters der staatlichen Kriegsschule, die das Führungspersonal der französischen Armee ausbildet, «vielleicht schon vorbereitet».

Auch der Islamwissenschaftler Mathieu Guidère geht davon aus, dass die grösste Bedrohung für Frankreich vermutlich von Assads Verbündeten ausgeht, der Hizbollah und dem Iran. Neben einem Angriff auf das französische UNIFIL-Kontingent im Südlibanon sieht er auch die Gefahr eines Anschlags auf die französische Botschaft in Beirut. In diplomatischen Kreisen in Paris hiess es zudem, auch Schulen oder Kultureinrichtungen könnten zum Ziel werden.

Reisehinweise verschärft

Das Aussenministerium in Paris hob hervor, in den vergangenen Wochen sei im Libanon ohnehin die Wachsamkeit «für das gesamte Land» verstärkt worden. Die Reisehinweise für Franzosen wurden verschärft, neuerdings wird von Besuchen auch im Westen des Libanons abgeraten, für die anderen Gebiete wird sogar dringend davon abgeraten. Derzeit leben etwa 2000 Franzosen in dem Land und rund 20.000 Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Der Chef des französischen Zentrums für Geheimdienststudien, Eric Denécé, meint, dass Assad selbst wohl kaum zuschlagen könne: «Die syrischen Geheimdienste, die ganz für den Kampf gegen die Rebellen aktiviert sind, haben nicht mehr ernsthaft schädliche Kräfte gegen die westlichen Länder zur Verfügung.»

An Anschlagserie erinnert

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hingegen hat erst kürzlich seine grenzenlose Unterstützung für Assad verkündet, wie Guidère in Erinnerung ruft. Er verweist dabei auf die Anschlagserie in Frankreich 1985 mit 13 Toten und 300 Verletzten, die von einem Hisbollah-Ableger verübt worden sei.

Am 23. Oktober 1983 waren in Beirut zudem 58 französische Fallschirmjäger bei einem Sprengstoffattentat ums Leben gekommen; am gleichen Tag wurde auf dem libanesischen Flughafen ein zweiter Anschlag gegen die US-Armee mit 241 Todesopfern verübt.

Sorge bereitet der Regierung in Paris auch das Schicksal von zwei französischen Journalisten, die am 6. Juni in Syrien von vermummten Tätern verschleppt wurden. In Geheimdienstkreisen heisst es: «Alles hängt von der Identität der Entführer ab: Anhänger des syrischen Regimes oder der Aufständischen?»

AFP/kle

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