IS beansprucht Anschläge in Sri Lanka für sich

Die Regierung geht davon aus, dass die Anschlagsserie und der Moschee-Angriff in Christchurch zusammenhängen. Zu den Drahtziehern gehören offenbar zwei Brüder.

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Zwei Tage nach den verheerenden Bombenanschlägen in Sri Lanka reklamierte die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Angriffe mit mehr als 300 Todesopfern und über 500 Verletzte für sich. Ziel der Anschläge seien Christen und Mitglieder der Anti-IS-Koalition gewesen, hiess es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung.

Nach Angaben der Regierung in Sri Lanka deuten erste Ermittlungsergebnisse auf eine «Vergeltung» für die tödlichen Anschläge auf Muslime in Christchurch Neuseeland im März hin, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament des Inselstaates erklärte. «Diejenigen, die den Angriff ausgeübt haben, der vorgestern Mitglieder der US-geführten (Anti-IS-)Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates», hiess es in einer Mitteilung, die das IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq veröffentlichte. Belege für diese Behauptung oder nähere Angaben zu den Tätern enthielt sie nicht.

Video: Terroranschläge in Sri Lanka

(Video: Tamedia)

Die Regierung von Sri Lanka hatte zuvor eine einheimische Islamistengruppe namens National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die verheerenden Anschläge am Ostersonntag verantwortlich gemacht. Diese hatten sich gegen drei Hotels und drei Kirchen gerichtet. Neuseeland sind bislang keine Verbindungen zwischen den verheerenden Anschlägen in Sri Lanka und dem Angriff auf zwei Moscheen in Christchurch bekannt. Die Regierung habe noch keine entsprechenden Geheimdienstberichte gesehen, sagte ein Sprecher der neuseeländischen Regierungschefin Jacinda Ardern am Dienstag.

Elinheimisches Brüderpaar

Aus Ermittlerkreisen hiess es, zwei der Attentäter seien Brüder, die aus der Hauptstadt Colombo stammten. Sie seien führende NTJ-Mitglieder gewesen und hätten innerhalb ihrer Familie eine «Terrorzelle» gebildet. Beide waren demnach Ende zwanzig und Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers. Sie hätten sich am Samstag je ein Zimmer in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand genommen und sich am nächsten Morgen nahezu zeitgleich in der Schlange am jeweiligen Osterbuffet in die Luft gesprengt.

In welchem Verhältnis sie zu den anderen Attentätern standen, war zunächst unklar. Bisher hat die Polizei rund 40 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe noch einige Verdächtige auf der Flucht. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff, sagte er bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Wie AFP weiter aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollte ein viertes, namentlich nicht genanntes Hotel ebenfalls Ziel eines Anschlags werden. Auch dort hatte ein Mann sich am Vorabend ein Zimmer genommen, seine Bombe explodierte am Sonntagmorgen jedoch nicht. Unklar ist bisher, ob dahinter Absicht oder eine Fehlfunktion steckte. Als Polizisten den Mann später stellten, sprengte er sich in die Luft und tötete dabei zwei Passanten.

Nach jüngsten Angaben wurden bei den Anschlägen 321 Menschen getötet, hunderte weitere werden noch im Krankenhaus behandelt. Laut Unicef sind unter den Toten auch mindestens 45 Kinder. Dutzende Todesopfer kamen aus dem Ausland, unter anderem aus den USA, den Niederlanden, Dänemark, Grossbritannien, Indien, Australien, Frankreich, Japan, Portugal und der Türkei.

Grosser Trauer

Staatspräsident Maithripala Sirisena erklärte einen öffentlichen Notstand. Die zunächst nicht näher benannten Bestimmungen traten in der Nacht zum Dienstag in Kraft, der zu einem nationalen Trauertag erklärt wurde. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo am Ostersonntag eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.

«Es sind so viele Leichen, dass wir nicht für alle gleichzeitig Platz haben», sagte Weihbischof Anthony Jayakody. Die Zeremonien fanden daher im Freien statt, tausende Menschen nahmen an ihnen teil. Bis zum Mittag waren mehr als 20 Menschen beigesetzt. «So viel Trauer haben wir seit dem Bürgerkrieg nicht mehr empfunden», sagte eine der Trauernden, die bei den Anschlägen mehrere Verwandte verloren hatte. Innerhalb der Kirche waren die Spuren der Explosion allgegenwärtig, auf dem Boden lagen Teile von Heiligenstatuen und zerbrochene Kirchenbänke.

Interpol unterstützt Ermittlungen

Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen.

red/sda

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