Überraschender Machtwechsel auf den Malediven

Die Inselkette im Indischen Ozean erhält einen neuen Präsidenten. Das freut Indien – und ärgert China.

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Der Oppositionskandidat Ibrahim Mohamed Solih hat überraschend die Präsidentenwahl auf den Malediven gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmen bei der Wahl vom Sonntag lag er mit gut 58 Prozent uneinholbar vorn, wie das Staatsfernsehen der als Urlaubsparadies bekannten Inselkette im Indischen Ozean am Montag berichtete.

Der seit 2013 regierende Amtsinhaber Abdulla Yameen, der als Favorit ins Rennen gegangen war, kam auf knapp 42 Prozent. Der 59 Jahre alte Präsident räumte seine Niederlage ein: «Die Bürger der Malediven haben gesprochen. Und ich akzeptiere das Ergebnis», sagte er kurz nach einem Treffen mit seinem Rivalen.

«Ich habe der maledivischen Öffentlichkeit aufrichtig gedient. Aber die Öffentlichkeit hat ihre Entscheidung über meinen Dienst gestern getroffen. Deshalb werde ich das Ergebnis akzeptieren und auch weiterhin im Dienste der Öffentlichkeit bleiben», sagte Yameen. Er kündigte an, die Amtszeit bis zum 17. November zu beenden.

Friedliche Machtübergabe gefordert

Solih rief Yameen im Staatsfernsehen dazu auf, eine friedliche Machtübergabe zu ermöglichen. Der Politiker der Maldivian Democratic Party war als Kandidat eines Bündnisses von Oppositionsparteien angetreten. Im Wahlkampf hatte er versprochen, die Korruption zu bekämpfen.

Der 54-jährige Solih gilt als enger Vertrauter von Mohamed Nasheed, des ersten frei gewählten Präsidenten des überwiegend muslimischen Inselstaates, der heute im Exil in Sri Lanka lebt. In dessen Amtszeit von 2008 bis 2012 hatten die Malediven noch enge Beziehungen zum traditionellen Partner Indien gepflegt. Yameen hingegen steht China nahe.

Angesichts der Verfolgung von Oppositionellen unter Yameen hatten Beobachter Zweifel geäussert, dass es eine freie und faire Wahl werde. Am Samstag hatte es eine Razzia in Solihs Wahlkampfbüro gegeben.

Hohe Wahlbeteiligung

Grössere Vorkommnisse oder ernste Beschwerden wurden bei der Wahl aber zunächst nicht bekannt. Weil es zu langen Wartezeiten an den Wahllokalen kam, wurden diese drei Stunden später geschlossen als ursprünglich vorgesehen. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 88 Prozent der gut 262'000 Wahlberechtigten.

Gewählt wurde ein halbes Jahr nach dem Ende eines 45-tägigen Ausnahmezustands, den Yameen im Februar ausgerufen hatte. Die Regierung hatte sich geweigert, eine Anordnung des Obersten Gerichts umzusetzen, inhaftierte Oppositionspolitiker freizulassen.

Sie warf der Opposition einen Putschversuch vor und nahm zahlreiche Menschen fest - darunter zwei Richter des Obersten Gerichtshofs und den früheren, jahrzehntelang autokratisch regierenden Präsident Maumoon Abdul Gayoom, ein Halbbruder Yameens. Alle drei wurden im Juni wegen Behinderung der Justiz zu 19 Monaten Haft verurteilt.

Warnungen und Gratulationen

Vor der Präsidentschaftswahl hatten die Opposition und Wahlbeobachter vor Wahlbetrug gewarnt. Die USA und die EU drohten mit Sanktionen, sollte die Abstimmung in dem von 340'000 überwiegend muslimischen Einwohnern bevölkerten Inselstaat nicht frei und fair verlaufen.

Nach der Wahl gratulierten die Nachbarstaaten Indien und Sri Lanka Solih zu seinem Sieg. Die Regionalmacht Indien, die mit China um Einfluss auf die Länder im Indischen Ozean kämpft, wertete den Sieg des Oppositionskandidaten als «Triumph für die demokratischen Kräfte auf den Malediven». China äusserte sich zunächst nicht.

Yameen hatte die Malediven zuletzt politisch näher an China herangerückt und sich von der langjährigen Schutzmacht Indien abgewendet. Infrastruktur-Projekte in dem Inselstaat werden mit chinesischen Millionenkrediten finanziert.

anf/sda

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