Snowden beantragt Asyl in Ecuador

Ein ehemaliger Geheimdienstler flüchtet rund um die Welt: Edward Snowden versucht offenbar, von Moskau nach Ecuador zu gelangen. Dass es ihm gelungen ist, Hong Kong zu verlassen, verärgert die USA.

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Die US-Regierung hat mit Verärgerung auf die Ausreise des wegen der Enthüllung von Geheimdienstinformationen gesuchten Edward Snowden aus Hongkong reagiert. Das Justizministerium widersprach der Darstellung Hongkongs, wonach der amerikanische Auslieferungsantrag nicht mit den Gesetzen der teilautonomen chinesischen Sonderverwaltungszone in Einklang gestanden habe.

In einem Telefongespräch zwischen US-Justizminister Eric Holder und seinem Hongkonger Amtskollegen Rimsky Yuen am vergangenen Mittwoch sei die Rechtmässigkeit des amerikanischen Antrags zu keiner Zeit in Zweifel gezogen worden, sagte eine Sprecherin.

Das US-Aussenministerium erklärte, man habe über diplomatische und polizeiliche Kanäle alle Länder kontaktiert, durch oder in die Snowden reisen könnte. Dabei habe man den Standpunkt der USA klar gemacht, dass Snowden als Straftäter gesucht werde und deswegen einzig und allein in die USA reisen dürfe.

Das Weisse Haus hielt sich zunächst bedeckt und teilte lediglich mit, dass US-Präsident Barack Obama von seinen Beratern über die Entwicklungen vom Sonntag informiert worden sei.

In Russland gelandet

Edward Snowden hat Asyl in Ecuador beantragt. Das teilte der ecuadorianische Aussenminister Ricardo Patiño über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Enthüllungsplattform Wikileaks schreibt, Snowden befinde sich auf dem Weg nach Ecuador. Ob dies bedeutet, dass er Russland bereits wieder verlassen hat, ist allerdings unklar. Zuvor war Snowden mit einer russischen Linienflugmaschine von Hongkong nach Moskau geflogen. Am Flughafen in der russischen Hauptstadt warteten Fahrzeuge der ecuadorianischen Botschaft. Nach Angaben von Wikileaks wurde Snowden auf dem Flug von Rechtsexperten von Wikileaks und einem nicht namentlich genannten Diplomaten begleitet.

Die USA haben derweil einen weiteren Versuch unternommen, Snowdens Flucht zu behindern. Die Behörden annullierten nach Angaben aus Regierungskreisen Snowdens Reisepass. Die Gültigkeit des Passes sei erloschen, noch bevor der NSA-Enthüller von Hongkong nach Moskau gereist sei, sagte ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AP. Snowdens Reisepläne könnten durch das Fehlen eines gültigen Reisepass erschwert, aber vermutlich nicht verhindert werden. Es sei für Snowden durchaus möglich, auch mit einem ungültigen Pass zu reisen, wenn hochrangige Vertreter von Fluggesellschaften oder Regierungen in Gastländern dies erlauben, sagte der US-Regierungsvertreter.

Russland hat keine Andeutungen gemacht, dass es Snowden festnehmen könnte. Aussenminister Sergej Lawrow hatte aber erklärt, man würde ihm Asyl gewähren, wenn er einen Antrag stellen würde. Russland und die USA haben kein Auslieferungsabkommen. Die kubanische Regierung wollte die Berichte über Kuba als Transitland für den Gesuchten nicht kommentieren.

Britischer Geheimdienst sammelte noch mehr Daten

Snowden hatte Informationen über eine massive Internetüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA an die Medien weitergegeben und sich dann nach Hongkong abgesetzt, wo er die vergangenen Wochen verbrachte. Zuletzt belasteten seine Enthüllungen auch den britischen Geheimdienst, der in noch grösserem Stil als die USA Daten gesammelt haben soll. Das US-Justizministerium hatte gegen den früheren Geheimdienstmitarbeiter am Freitag Strafanzeige wegen Spionage und Diebstahls von Staatseigentum gestellt.

kle/mrs/mw/chk/AFP/AP/sda

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