«Sajjad hat unter massivem Druck aufgegeben»

Die Hinrichtung von Sakineh Mohammadi Ashtiani könnte ausgesetzt werden, heisst es im Iran. Gleichzeitig treten Ashtiani und ihr Sohn mit verwirrenden Aussagen vor die Medien.

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Monica Fahmy@fahmy07

Das Steinigungsurteil von Sakineh Mohammadi Ashtiani könnte aufgehoben werden, das sagte der Staatsanwalt der iranischen Provinz Ost-Aserbeidschan Malek Ajdar Sharifi gegenüber Medien. Es bestünden «Zweifel» im Zusammenhang mit den «Beweisen» im Fall der zum Tode verurteilten Iranerin. Diese Zweifel hätten die Vollstreckung des Urteils immer wieder verzögert. Ob Ashtiani nun Grund zur Hoffnung hat, oder ob es sich bloss um Propaganda handelt und die Iranerin später gehängt werden soll, wollte Sharifi nicht kommentieren.

Mit seiner Aussage fügte der Staatsanwalt der immer wirrer werdenden Geschichte um Ashtiani ein weiteres Kapitel hinzu. 2005 war Asthianis Mann Ebrahim Ghaderzadeh im Badezimmer tot aufgefunden worden. Issa Taheri wurde des Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Kinder Ashtianis verzichteten jedoch auf eine Vollstreckung des Urteils, Taheri ist heute ein freier Mann. 2006 wurde Ashtiani beschuldigt, Taheri bei der Ermordung ihres Mannes geholfen zu haben. Das Todesurteil wurde zu zehn Jahren Gefängnis umgewandelt. Im September 2006 verurteilte sie ein anderes Gericht wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung.

Ashtiani will Journalisten verklagen

Sakineh Mohammadi Ashtiani konnte gestern kurz das Gefängnis in Tabriz verlassen, um mit westlichen Medien zu sprechen. Sie sagte, sie wolle die beiden deutschen Journalisten verklagen, die vor zwei Monaten beim Interview mit ihrem Sohn Sajjad Ghaderzadeh festgenommen worden waren. Die Journalisten der «Bild am Sonntag» hätten sie und ihr Land «entehrt». Weshalb blieb offen, den Medien war untersagt, Fragen zu stellen.

Die beiden Journalisten waren laut iranischen Behörden nur mit einem Touristenvisa eingereist. Sie sind der Spionage angeklagt und bleiben trotz internationaler Proteste inhaftiert. Gegenüber Medien sagte Michael Backhaus, der stellvertretende Chefredakteur der «Bild am Sonntag»: «Wir finden es befremdlich, dass eine Frau, die im Iran zum Tode verurteilt worden ist, für einige Stunden das Gefängnis verlassen darf, um vor westlichen Medien anzukündigen, dass sie Journalisten, die über ihren Fall berichten wollten, anzeigen will».

Sohn hält Ashtiani nun doch für schuldig

Eine Kehrtwende hat auch Ashtianis Sohn Sajjad Ghaderzade vollzogen. Gegenüber Medien sagte er gestern, er halte seine Mutter nun doch für schuldig, Issa Taheri geholfen zu haben, seinen Vater zu töten. Ghaderzade war am 10. Oktober zusammen mit den deutschen Journalisten festgenommen und am 12. Dezember gegen Kaution freigelassen worden. Nachdem er seine Mutter beschuldigt hatte, bat er gestern die Behörden um Gnade für sie.

«Sajjad hat seine Mutter immer für unschuldig gehalten, jetzt hat er unter massivem Druck aufgegeben», sagt Mina Ahadi vom internationalen Komitee gegen Steinigung in Deutschland. «Das islamische Regime spielt mit der Familie Ashtiani.» Sajjad ist 21, seine Schwester 17. Die Familie ist laut Ahadi arm und isoliert. Das Regime habe leichtes Spiel gehabt, die Familie «psychisch fertig zu machen».

Geschichte ohne Gesichtsverlust beenden?

Die Aussagen Ashtianis und Ghaderzades gegenüber den Medien deutet Mina Ahadi allerdings auch positiv: «Es sieht so aus, als ob das Regime die Geschichte beenden will und einen Weg gefunden hat, das Gesicht zu wahren.» Dafür spreche auch, dass der Staatsanwalt Malek Ajdar Sharifi sage, es bestünden Zweifel. «Sharifi hat früher immer gesagt, dass Ashtiani schuldig sei und unbedingt hingerichtet werden müsse.» Seine jetzige Aussage mache Hoffnung. Es sei aber auch möglich, dass das Todesurteil plötzlich doch vollstreckt werde. «Man weiss nie, was das islamische Regime als nächstes tun wird.»

baz.ch/Newsnet

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