Die nordkoreanische Rakete ist abschussbereit

Alle Vorbereitungen für den geplanten Satellitenstart seien abgeschlossen, vermeldet Nordkorea. Die internationale Gemeinschaft ist irritiert. Russland beurteilt die Vorgänge als Verstoss gegen UN-Resolutionen.

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Vertreter der Raumfahrtbehörde erklärten heute in Pyongyang vor ausländischen Medien, der Satellitenstart werde wie geplant stattfinden. Alle nötigen Vorbereitungen seien getroffen.

Der Satellit Kwangmyongsong-3 werde heute auf der Trägerrakete montiert, sagte der stellvertretende Direktor der Entwicklungsabteilung, Ryu Kum Chol. Er räumte ein, dass es Ähnlichkeiten zwischen den Raketen für einen Satellitenstart und denen für den Abschuss einer Langstreckenrakete gebe. Allerdings werde Festtreibstoff für Langstreckenraketen eingesetzt, während der Kwangmyongsong-3 mit Flüssigtreibstoff starte. Ruy erklärte, er könne keine Fragen zu einem möglichen Atomtest in der Zukunft beantworten.

Airlines ändern Flugrouten

Die USA betrachten den Start als Test einer Rakete, die ihr Territorium erreichen könnte. Kritik kam auch aus Grossbritannien, Japan und anderen Ländern. Russland verurteilte den geplanten Start in Nordkorea als Verstoss gegen UN-Resolutionen. Ein Sprecher des Aussenministeriums in Moskau erklärte am Dienstag, die Pläne Pjöngjangs ignorierten Entscheidungen des Weltsicherheitsrats.

Mehrere asiatische Fluggesellschaften kündigten angesichts des geplanten Starts eine Änderung ihrer Flugrouten in der Region an. Rund ein Dutzend Flüge aus den USA, Japan und Südkorea würden an dem erwarteten Weg der Rakete vorbei gelenkt, teilte Philippine Airlines am Montag mit. Japan Airlines und All Nippon Airways kündigten an, die Routen von Flügen zwischen Tokio, Manila, Jakarta und Singapur zu verlegen.

Unzulässigen Raketentest befürchtet

Der Satellit soll anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung zwischen Donnerstag und Montag in den Weltraum geschossen werden. Mehrere westliche Regierungen sehen dahinter einen unzulässigen Raketentest für das nordkoreanische Atomprogramm. Nordkorea hatte jeweils wenige Monate vor den Atomtests im Oktober 2006 und Mai 2009 Langstreckenraketen getestet.

Nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes bereitet Nordkorea ausserdem einen dritten Atomtest vor. Satellitenbilder zeigten die Grabungsarbeiten an einem Tunnel auf dem Gelände Punggye-ri im Nordosten des Landes, hiess es in einem Bericht des Geheimdienstes, den die Nachrichtenagentur AP einsehen konnte. Die Arbeiten seien fast abgeschlossen.

«Wir wissen nicht, was vor sich geht»

Die Vorgänge in Nordkorea irritieren die internationale Gemeinschaft. CNN interviewte den Sicherheitsexperten Jim Walsh vom Massachusetts Institute of Technology zu den Absichten des mysteriösen Landes. Walsh glaubt, dass Nordkorea mit seinen Vorstössen auch intern kommuniziere: «Es geht um die Legitimität des Regimes», meint Walsh. Der junge Kim Jong-un wollte nicht nur dem Volk sondern auch den Eliten des Militärs seine Stärke demonstrieren.

Doch auch Walsh muss zugeben, dass die Vorgänge schwer zu interpretieren sind: «Es handelt sich bei Nordkorea um die undurchsichtigste Gesellschaft der Welt, undurchsichtiger als der Iran oder irgend ein anderes Land der Erde. Wir wissen wirklich nicht, was vor sich geht».

Zweifel an zivilen Absichten

Die USA warnten Nordkorea vor neuen Raketen- und Atomtests. Dies wäre ein «sehr provokativer Akt», sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney. Es würde bedeuten, dass Nordkorea seine internationalen Verpflichtungen nicht einhalte und Pyongyang seine Isolation und seine Armut daher nicht überwinde.

Die USA stellen Nordkorea Wirtschaftshilfe für den Fall einer Kooperation in Aussicht. Auch China äusserte sich besorgt über die unabsehbaren Folgen des vom Verbündeten Nordkorea geplanten Raketenstarts. Das Regime in Pyongyang und seine Widersacher in der Region müssten Ruhe bewahren und zum Dialog zurückfinden. Das sagte Chinas Aussenminister Yang Jiechi bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Südkorea und Japan im ostchinesischen Ningbo, wie die chinesische Agentur Xinhua am Sonntag meldete.

kle/fko/DAPD/sda

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