Chinas Nachbarn bewaffnen sich

Neue U-Boote, neue Kampfjets, neue Spezialeinheiten. Chinas Nachbarländer investieren im grossen Stil in ihre Armee. Experten sind sich einig: Peking wird in den regionalen Konflikten umdenken müssen.

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«Charmeoffensive», titelten die Zeitungen weltweit, als sich Chinas Präsident Xi Jinping beim Apec-Gipfel im November plötzlich ganz versöhnlich zeigte. Xi traf sich mit dem philippinischen Präsidenten Benigno Aquino III., und er traf sich mit Japans Premier Shinzo Abe – und betonte, eine friedliche Lösung für den Inselstreit im Südchinesischen Meer finden zu wollen.

Chinas Nachbarländer liessen sich von Pekings vermeintlicher Kursänderung offenbar nicht beeindrucken. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, investieren derzeit mehrere asiatische Staaten im grossen Stil in die Modernisierung ihrer Armee. Die Zeitung hat eine Reihe der aktuellsten Käufe nach Ländern aufgelistet:

Indien

  • 126 Kampfjets von Rafale
  • 22 Apache-Kampfhelikopter
  • 8 Aufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeuge von Poseidon

Indonesien

  • 3 U-Boote der Chang-Bogo-Klasse
  • 24 F-16-Kampfjets
  • 16 Sukhoi-Kampfjets
  • 8 Apache-Kampfhelikopter

Japan

  • 4 Helikopterträger
  • 42 F-35-Stealth-Kampfjets
  • 17 Osprey-Senkrechtstarter

Malaysia

  • 2 Scorpene-U-Boote
  • 6 Fregatten der Gowind-Klasse

Philippinen

  • 12 FA-50 Kampf- und Übungsjets
  • 2 Kriegsschiffe der Hamilton-Klasse

Vietnam

  • 6 U-Boote der Kilo-Klasse
  • 6 Kriegsschiffe der Gepard-Klasse
  • 36 Sukhoi-Kampfjets

Die Rüstungsprogramme legen nahe, dass sich die Länder gegenüber China besser positionieren wollen. Immerhin gab Peking laut dem schwedischen Sicherheitsinstitut Sipri allein 2013 fünfmal so viel Geld für seine Armee aus wie die Länder Südostasiens gemeinsam.

Auf die jüngsten Milliardeneinkäufe angesprochen, gibt man sich in Vietnam zurückhaltend. Nguyen Thi Thai Thong vom vietnamesischen Aussenministerium sagte gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Unser Rüstungsprogramm zielt nicht spezifisch auf China ab; der Einkauf von neuem Material für die Armee ist etwas, was Länder weltweit machen.» Deutlicher wird ein Mitglied des philippinischen Verteidigungsministeriums, das anonym bleiben will: «Im Minimum müssen wir die Möglichkeit haben, Chinas Taten nicht ungestraft zu lassen.»

Inselfestungen sorgen für Unruhe

Tatsächlich lassen sich gewisse Vorgehensweisen von Chinas Nachbarn als Reaktion auf Entwicklungen der vergangenen Monate lesen. Indien hat eine Gebirgseinheit ins Leben gerufen, die in den umstrittenen Grenzbereich im Himalaja entsandt werden soll. Dort waren letztes Jahr indische und chinesische Einheiten aneinandergeraten. Der Inselstreit zwischen China und Japan wiederum veranlasste Tokio dazu, eine neue amphibische Eingreiftruppe aufzustellen.

Generell sorgte die Situation im Südchinesischen Meer in den vergangenen Wochen unter Anrainern erneut für Unruhe. Satellitenbilder von Anfang Jahr zeigen, dass China den Bau mehrerer Inselfestungen auf den Spratly-Inseln massiv beschleunigt hat. Vietnam und die Philippinen reagierten verärgert auf Pekings Landgewinnung und beschlossen einen neuen Verteidigungspakt.

Druck auf Peking

Dass nicht sämtliche Rüstungsprogramme von Chinas Nachbarn auf die Bedrohung Pekings ausgerichtet sind, darin sind sich Sicherheitsexperten einig. Besonders die Armeen der südostasiatischen Staaten gelten als veraltet; sie brauchen die neuen Schiffe und Flugzeuge, um überhaupt den Betrieb aufrechtzuerhalten. Dennoch könnte das Aufrüsten in der Region auf die Dauer Druck auf China ausüben und Pekings Haltung beeinflussen. Zumindest der Politologe Richard Javad Heydarian ist sich dessen sicher: «Das Letzte, was China will, ist plötzlich von schlagkräftigen Armeen umzingelt sein.» Heydarian erwartet deshalb, dass Peking künftig eine grössere Bereitschaft zeigen werde, regionale Konflikte am runden Tisch zu lösen.

kpn

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