Wohin gehst du, Amerika?

Die Demokraten haben noch gut ein Jahr Zeit, die Amerikaner zu überzeugen, die Geschicke der wichtigsten Weltmacht in ihre Hände zu legen. Bisher war davon wenig zu spüren.

Donald Trump hat den Nerv vieler getroffen, indem er wunde Punkte nicht nur angesprochen, sondern auch darauf reagiert hat.

Donald Trump hat den Nerv vieler getroffen, indem er wunde Punkte nicht nur angesprochen, sondern auch darauf reagiert hat.

(Bild: Keystone)

Eric Sarasin

Wir wissen es alle: Donald Trump wird sich für die Wahlen 2020 zur Wiederwahl stellen. Bis vor kurzem standen seine Chancen sehr gut, hat er doch die US-Wirtschaft seit seiner Wahl ganz schön in Fahrt gebracht. Derzeit jedoch stagniert die Wirtschaft – ein Anzeichen für eine drohende Rezession. Sollte dies tatsächlich eintreffen, dürften die Chancen auf eine Wiederwahl rapide sinken. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Handelskonflikt mit China, dem wichtigsten Handelspartner der USA, den Trump mit immer mehr Zöllen überhäuft, was auch die US-Wirtschaft belastet.

Donald Trump hat während seiner Amtszeit sonst nicht viel vorzuweisen, umso wichtiger wäre für ihn ein Einlenken in diesem Konflikt. Erst einmal nämlich wurde in der Geschichte der USA ein Präsident wiedergewählt (der Republikaner William McKinley im Jahr 1900), während es seinem Land wirtschaftlich schlecht ging.

Trumps Worten folgen auch Taten – im Gegensatz zu den meisten Politikern, damit beweist er durchaus Glaubwürdigkeit.

Obwohl der Handelskrieg mit China den Konsumenten aufgebürdet wird, geniesst Trump immer noch in grossen Teilen der Bevölkerung Zustimmung – sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten. Dies, obwohl Trump dafür verantwortlich ist, dass der Umgangston und das Niveau des Anstands im Lande rapide gesunken sind und Rassismus derzeit als salonfähig gilt.

Und doch hat er den Nerv vieler getroffen, indem er wunde Punkte nicht nur angesprochen, sondern auch darauf reagiert hat. Mit den Strafzöllen verteidigt er die Interessen der USA. Trumps Worten folgen auch Taten – im Gegensatz zu den meisten Politikern, damit beweist er durchaus Glaubwürdigkeit.

Der «America First»-Slogan ist also nicht nur Makulatur. Trump ist auch davon abgekommen, dass es im amerikanischen Interesse liegt, eine freiheitliche Weltordnung zu fördern. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es diese nicht mehr, und die Rolle des «Weltpolizisten» will Trump schon gar nicht mehr spielen.

Sein Ziel ist, die Wirtschaftsmacht USA auszuweiten. Die Tendenz, die selbst übernommene Rolle als globale Ordnungsmacht aufzugeben, hatte sich schon unter Obama abgezeichnet, und auch die demokratischen Kandidaten wären diesen Weg weitergegangen.

Ein erneuter Wahlsieg Trumps würde voraussichtlich eine verstärkte Isolation der USA bedeuten.

Kommen nun aus dem Kreis der Demokraten geeignete Kandidaten, die Trump im November 2020 schlagen könnten? Bernie Sanders, Elizabeth Warren, Joe Biden? Keiner dieser Kandidaten hat meines Erachtens eine Chance. Und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ein junger, kompetenter, zukunftsgerichteter, moderater Kandidat aus der demokratischen Ecke gegen Trump antreten wird.

Die Demokraten haben noch gut ein Jahr Zeit, die Amerikaner zu überzeugen, die Geschicke der wichtigsten Weltmacht in ihre Hände zu legen. Bisher war davon wenig zu spüren. Wenn es den Demokraten bis dahin nicht gelingt, die Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen, spricht derzeit trotz drohender Rezession einiges für einen erneuten Wahlsieg Trumps. Das würde voraussichtlich eine weitere verstärkte Isolation der USA bedeuten und eine Präsidentschaft mit weiteren Überraschungen – für Amerika selbst, aber auch für die restliche Welt. Und danach kommt dann Ivanka Trump!

Viel Vergnügen …

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