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«Wir haben keine Wahl»

Donald Trump nimmt sich die Pharmaindustrie zur Brust – und fordert wie erwartet Preissenkungen.

«Werden Sie expandieren?» Donald Trump (r.) am gestrigen Treffen mit ­Vertretern der Pharmabranche im Weissen Haus.
«Werden Sie expandieren?» Donald Trump (r.) am gestrigen Treffen mit ­Vertretern der Pharmabranche im Weissen Haus.
Keystone

Joe Jimenez nutzte seine Chance. Als der Novartis-Konzernchef gestern, während eines Treffens im Roosevelt Room des Weissen Hauses, von Präsident Donald Trump gefragt wurde, ob seine Firma denn auch bald neue Arbeitsplätze in den USA schaffen werde, sagte Jimenez: «Wir schauen es uns an», nachdem er erwähnt hatte, dass Novartis in Amerika bereits 13 Produktionsbetriebe betreibe. Dann stellte Jimenez eine Bedingung an Trump – so jedenfalls lässt sich seine Wortmeldung verstehen. «Uns würde es helfen, wenn der Steuerfuss gesenkt würde. Das wäre eine massive Hilfe», sagte er. Und der Präsident, keinesfalls überrascht über diese Aussage, gab zurück: «Das haben wir vor.»

Jimenez war Teil einer illustren Runde, die gestern die Gelegenheit erhielt, eine Stunde lang direkt mit Präsident Trump und Vizepräsident Mike Pence zu sprechen. Vertreten waren dabei auch Abgesandte der Novartis-Konkurrenten Amgen, Johnson & Johnson, Merck, Celgene und Eli Lilly, die allesamt Teil der Führungsriege des Lobby-Verbandes PhRMA sind. Jimenez amtiert als Finanzchef dieser einflussreichen Industrievereinigung.

Neues Genehmigungsverfahren

Das Gespräch war Teil einer PR-Offensive des Weissen Hauses, das mit hochrangig besetzten Gesprächsrunden beweisen will, dass in Washington nun ein neuer Wind weht. Erneut versprach Trump während seiner einleitenden Stellungnahme, dass er den Unternehmern entgegenkomme. Schon bald werde er einen neuen Chef an der Spitze der Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) installieren, der das Genehmigungsverfahren für neue Produkte stark vereinfache, sagte Trump. «Es wird nicht mehr 15 Jahre dauern.» Im Gegenzug erwarte er aber von der Geschäftswelt branchenspezifische Zugeständnisse. Erstens müssen die Arbeitgeber in den USA neue Produktionsstätten bauen. «Werden Sie expandieren?», wollte Trump von Novartis-Chef Jimenez wissen. Ferner werde er es nicht mehr erlauben, dass Medikamente in Amerika für teures Geld entwickelt und dann billig im Ausland verkauft würden. Und drittens erwarte er von den Medikamentenherstellern, dass sie die Preise senken, die sie den staatlichen Krankenkassen für ihre Produkte verrechnen.

Trump sagte: «Wir haben keine Wahl. Wir müssen die Preise stark drücken.» Es könne doch nicht sein, dass ein Konsument in einer Drogerie einen tieferen Preis für ein Medikament bezahle als der amerikanische Staat, der ein grosser Abnehmer sei, sagte Trump – wobei das Beispiel, auf das er zurückgriff (Aspirin), wohl kein gutes war, weil es nicht rezeptpflichtig ist.

Jimenez hält sich zurück

Grundsätzlich ist dies keine neue Forderung des Weissen Hauses. Trump sagte bereits kurz vor seinem Amts­antritt, dass es «Big Pharma» an den Kragen gehen werde. Künftig solle es zumindest Medicare (der staatlichen Versicherung für Senioren) erlaubt sein, Preisverhandlungen über verschreibungspflichtige Medikamente zu führen – mit dem Ziel, die Ausgaben für die kostspielige Sozialversicherung zu senken. Im laufenden Finanzjahr werden für Medicare mehr als 415 Milliarden Dollar ausgeben.

Mit dieser Forderung ist der implizite Vorwurf verbunden, dass die Parlamentarier in Washington unter der Knute der Pharmaindustrie stehen, die für ihre hohen Geldspenden unter Senatoren und Repräsentanten beliebt ist. Unabhängige Stellen allerdings weisen darauf hin, dass die Einsparungen bei einer Aufhebung des Verbotes gering wären, weil die Pharmaindustrie bei der Preisgestaltung bereits heute Rücksicht auf Versicherungen und Konsumenten nehmen müsse.

Wie dem auch sei. Nach dem Treffen im Weissen Haus sagte Merck-Konzernchef Ken Frazier vor den Medien, dass sich das Gespräch mit Trump vor allem um Steuerpolitik und die Innovationen der Pharmaindustrie gedreht hätten. Die Forderung des Präsidenten, die Preise zu senken, erwähnte er nicht. Novartis-Chef Joe Jimenez zog vor, nicht mit den Medien zu sprechen.

Börsen-Analysten gewannen dem Treffen auch etwas Positives ab – obwohl die amerikanischen Märkte weiter nachgaben, auch aufgrund der zahlreichen Fragen im Zusammenhang mit dem von Trump verfügten Ein­reisestopp, waren die Aktien der Pharmaunternehmen in den USA mehrheitlich im grünen Bereich. In der Schweiz legten die Novartis-Aktien um 0,9 Prozent zu.

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